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Islamsprecher wünscht mehr Kontakte „Integration geht nur mit Religion“

Von Christof Haverkamp

Osnabrück. Die Religion kann man nach Ansicht von Erhat Toka nicht bei der Integration außen vor lassen. „Wir sind bereit zur Integration, solange man nicht erwartet, dass wir Zugeständnisse bezüglich unserer Religion machen“, sagt der ehrenamtliche Pressesprecher des Bündnisses Islamischer Gemeinden in Osnabrück.

Sich selbst hält der gebürtige Lengericher für integriert. Der 37-Jährige leitet das Zentrum Asiatischer Kampfkünste, wo Thai-Boxen trainiert wird, und verkauft zudem Kampfsportausrüstung wie Boxhandschuhe.

Die Fülle kritischer Äußerungen über den Islam kann Toka überhaupt nicht verstehen.

Benachteiligung der Frau im Islam? „Totaler Schwachsinn“, weist Toka diese Behauptung zurück. Im Gegenteil: Frauen würden im Islam sogar besonders rücksichtsvoll behandelt.

Ehrenmorde? Die hätten mit Kultur zu tun, nicht aber mit dem Islam.

Leben in Parallelgemeinschaften? „Es gibt viele Parallelgesellschaften in Deutschland“, sagt Toka dazu.

Zu wenig Deutschkenntnisse? „Es gibt genug Deutsche, die nicht fließend Deutsch können“ antwortet Toka lachend und beklagt, dass die Medien Negativbeispiele über den Islam aufblähen würden. Die Probleme würden seit den Anschlägen vom 11. September 2001 aufgebauscht, klagt der Pressesprecher. „Für uns Muslime hat sich das Leben verändert.“

Zum Beispiel für seine Mutter. Sie trage ein Kopftuch, „hat nie mit der Polizei zu tun gehabt und wurde als ehrenhafte Frau betrachtet“. Jetzt aber werde sie beleidigt und als potenzielle Terroristin angesehen, kritisiert Toka. Es sind Erfahrungen und Auffassungen, die er mit vielen Muslimen teilt.

„Man redet nicht miteinander“, klagt der 37-Jährige und wünscht sich mehr Kontakte. „Die muslimische und nicht muslimische Bevölkerung muss sich öfter zu Veranstaltungen einladen oder sie zusammen organisieren.“ So eine Gelegenheit sieht er im Tag der offenen Moschee, der jeweils am 3. Oktober begangen wird. „Ich würde mich auch über einen Tag der offenen Kirche freuen“, sagt Toka. „Oder über gemeinsame Fußballturniere.“ Und bedauert, dass ihm kaum jemand zum Ramadanfest gratuliert hat. „Ich verschicke aber zu Weihnachten eine Menge SMS an meine christlichen Bekannten.“