Rainer Dulger im Gespräch "Bürokratischer Aktionismus": Homeoffice-Verordnung verärgert Arbeitgeber

Streitfall Homeoffice. Die Arbeitgeber kritisieren die neue Verordnung des Arbeitsministeriums.Streitfall Homeoffice. Die Arbeitgeber kritisieren die neue Verordnung des Arbeitsministeriums.
Julian Stratenschulte/dpa

Osnabrück. Was bringt die neue Homeoffice-Verordnung? Die Arbeitgeber sind skeptisch und zeigen sich verärgert über das Vorgehen der Bundesregierung.

Die Arbeitgeber räumen den neuen Regeln zur Arbeit im Homeoffice nur wenig Erfolgsaussichten ein. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte unserer Redaktion: „Die Homeoffice-Verordnung der Bundesregierung ist ein weiteres Beispiel für bürokratischen Aktionismus, mit dem man nicht viel erreichen wird. Es läuft nicht besser, wenn die Politik sich einmischt.“ 

Wolfgang Kumm/dpa


Im Wortlaut der neuen „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung“ heißt es: „Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen“. Das Bundesarbeitsministerium spricht von einer „Pflicht“ und betont, die bis Mitte März befristete  Verordnung solle sicherstellen, dass Homeoffice nicht einfach willkürlich verweigert werden könne. 

Dulger kritisiert das Eingreifen der Regierung und betont, es sei vielmehr die Aufgabe von Betrieben und Beschäftigten, sich zu überlegen, wie man mobile Arbeitsformen umsetzen kann. „Ich hätte es sinnvoller gefunden, man hätte auf die Stimme der Sozialpartner gehört.“ Gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hätten DGB-Chef Reiner Hoffmann und er an die Arbeitgeber appelliert, Homeoffice überall dort zu ermöglichen, wo es praktikabel sei. Zudem habe man die Arbeitnehmer gedrängt, dieses Angebot anzunehmen. Das sei der richtige Weg.

"Wer den Laden am Laufen hält"

„Alle, die Homeoffice machen können, tun das in sehr, sehr vielen Unternehmen auch schon“, so Dulger weiter. „Dass es schwarze Schafe gibt, das wissen wir. Deshalb haben wir ja auch den Appell gemacht.“ Es gebe im Übrigen auch sehr viele Beschäftigte, die eben nicht einfach mal ins Homeoffice gehen könnten, da es der Betriebsablauf einfach nicht zulasse. Diese Beschäftigte trügen so dazu bei, „den Laden am Laufen zu halten“.  

Eine Homeoffice-Pflicht braucht es nach den Worten des Arbeitgeberpräsidenten auch nach Ablauf der Arbeitsschutzverordnung im März nicht. Dulger: „Es ist gut, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit diesen Plänen am Widerstand der Union im Bundestag gescheitert ist. Nicht Bürokratie hilft uns weiter, stattdessen brauchen wir Absprachen vor Ort in den Betrieben und Flexibilität.“ 


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