Virologe fordert Lockdown-Ende Kekulé: Kitas, Schulen, Geschäfte und Restaurants ab Mitte Februar öffnen

Plädiert für ein Lockdown-Ende: Der Virologe und Epidemiologe Alexander KekuléPlädiert für ein Lockdown-Ende: Der Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé
Horst Galuschka / Imago Images

Berlin. Der Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé hat sich trotz der Corona-Mutationen für ein Lockdown-Ende ab Mitte Februar ausgesprochen.

„Ich halte es für möglich, dass ab Mitte Februar stufenweise Kitas, Schulen, Geschäfte, aber auch Restaurants wieder öffnen können. Nicht überall auf einmal, sondern anfangs nur in Regionen mit besonders niedrigen Fallzahlen und gut aufgestellten Gesundheitsämtern“, sagte der Direktor des Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle im Interview mit unserer Redaktion. „Auch Versammlungen von bis zu zehn oder zwanzig Leuten wären vorstellbar, wenn gleichzeitig neue Instrumente genutzt werden“, erklärte Kekulé. Dazu gehörten Schnelltests und eine Online-Registrierung für Teilnehmer privater Veranstaltungen. 

Bei konsequenter Vorbereitung „können wir ab Mitte Februar den Lockdown beenden und auf eine weniger einschneidende Strategie umschwenken“, betonte Kekulé. „Die derzeitigen Maßnahmen reichen höchst wahrscheinlich aus, um die Fallzahlen dafür ausreichend zu senken.“

Der Wissenschaftler plädierte für eine Schwelle von „bundesweit stabil deutlich unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern“, wobei höherer Werte in einzelnen Regionen Lockerungen nicht blockieren dürften. In manchen Kreisen mit derzeit sehr hoher Inzidenz tendiere die Akzeptanz der Corona-Schutzmaßnahmen „offensichtlich gegen Null“, so Kekulé. „Der Strategiewechsel ist auch notwendig, um in kritischen Bevölkerungsteilen wieder mehr Akzeptanz für die Maßnahmen zu gewinnen.“

Weniger Impfstoff-Schutz bei Mutationen?

Angesichts von Virus-Mutanten mahnte Kekulé zu mehr Tempo beim Impfen. „Wir müssen so schnell wie möglich impfen, weil sich das Virus ständig weiterentwickelt“, sagte er. „Es ist nicht auszuschließen, dass die aktuellen Impfstoffe in Zukunft weniger gut schützen, auch Zweitinfektionen sind möglich.“ Er verwies auf Angaben britischer Regierungsberater, wonach B 1.1.7 geringfügig schwerere Erkrankungen verursachen könnte als die bisherigen Virustypen. 

„Aber egal welche Variante gerade um das Haus schleicht: Ein explosives Wachstum wird nur zurückkehren, wenn wir für Corona leichtfertig eine Türe oder ein Fenster offenstehen lassen“, sagte der Wissenschaftler aus Halle. Deutschland müsse auch angesichts der neuen Varianten „nicht in einen Dauer-Lockdown verfallen“.

Den Vorschlag seiner Kollegen Christian Drosten und Melanie Brinkmann, Corona praktisch auszumerzen, kritisierte Kekulé als völlig überzogen. 

Müller-Stauffenberg (Imago Images) und Bernd von Jutrczenka (dpa)
Rivalisierende Virologen: Alexander Kekulé hält die No-Covid-Strategie von Christian Drosten für "weltfremd"

„Beim Fahrplan der Null-Corona-Verfechter wären wir noch zwei bis drei Monate im Lockdown. Das hält niemand aus und das ist weltfremd“, sagte er. „Wir dürfen nicht am Reißbrett eine Strategie entwickeln, die den Faktor Mensch ausklammert.“

Strengere Grenzkontrollen notwendig

Hinzu komme, das Corona bei offenen Grenzen sofort zurückkäme und „der ganze Lockdown-Marathon wäre vergeblich“. Sein Vorschlag: „Wenn wir nicht "Null Covid", sondern einen kontrollierten Gleichgewichtszustand bei niedrigen Inzidenzwerten anstreben, können wir eine gewisse Rate importierter Infektionen tolerieren.“ Allerdings müssten auch dafür Pendler strenger kontrolliert und auch Lkw-Fahrer regelmäßig getestet und mit einer Tracing-App erfasst werden, die den Standort des Fahrzeuges registriert. „Die Logistikunternehmen haben die GPS-Ortung bereits in vielen Lastwagen installiert“, sagte Kekulé.


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