Gesetzliche Renten Sinkendes Rentenniveau: DGB fordert Politik zum Eingreifen auf

Rentner in Bremerhaven. Beim Rentenniveau sind starke Schwankungen zu erwarten.Rentner in Bremerhaven. Beim Rentenniveau sind starke Schwankungen zu erwarten.
: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Osnabrück. Zuerst geht es leicht bergauf, dann aber deutlich bergab: Beim Rentenniveau sind starke Schwankungen zu erwarten. Der DGB drängt auf Stabilisierung.

Angesichts des langfristig deutlich sinkenden Rentenniveaus ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Bundesregierung dringend zum Handeln auf. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte unserer Redaktion: „Damit die gesetzliche Rente für die Menschen eine sichere Bank bleibt, muss die künftige Bundesregierung auch über 2025 hinaus das Rentenniveau bei mindestens 48 Prozent stabilisieren.“

Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa


Piel reagierte damit auf den am Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedeten Rentenversicherungsbericht. Danach dürfte das Rentenniveau von heute 48,2 Prozent bis zum Jahr 2023 zunächst auf 51 Prozent steigen, danach aber auf 46 Prozent im Jahr 2034 sinken. Hierbei ist berücksichtigt, dass die Renten bis 2034 um insgesamt rund 32 Prozent steigen dürften. Das Rentenniveau drückt das Verhältnis der Rente zu den Löhnen aus. Bis 2025 gilt eine Haltelinie, nach der das Sicherungsniveau nicht unter 48 Prozent sinken darf.

Piel warnte: „Die privaten Versicherer rufen nach immer weiteren Steuerzuschüssen und weniger Garantien für ihre kränkelnden Produkte, damit diese überhaupt noch nennenswerte Renditen abwerfen. Dort noch mehr Geld zu versenken ist ein Irrweg – eine starke gesetzliche Rente ist alternativlos.“

Die Gewerkschafterin lobte in diesem Zusammenhang, trotz der Corona-Krise sei das Rentenniveau dauerhaft höher und der Beitragssatz und die Bundesmittel dauerhaft niedriger als noch 2019 erwartet. „Der Rentenversicherungsbericht und der Alterssicherungsbericht belegen wieder einmal die hohe Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung.“ Die Langfristprognosen zeigten aber auch den Handlungsbedarf.

"Realer Einkommenszuwachs"

Alle Einkommensarten zusammengenommen, ist das Haushaltsnettoeinkommen der Älteren zuletzt deutlich gestiegen. Es kletterte laut dem neuen Rentenversicherungsbericht bei Ehepaaren und Alleinstehenden im Alter ab 65 Jahren seit 2015 um 14 Prozent auf im Schnitt 2207 Euro im vergangenen Jahr. Einbezogen sind hierbei unter anderem auch Zinseinkünfte, Einkünfte aus Vermietungen, Erwerbseinkünfte und Privatrenten. Über diese Daten gibt der ebenfalls beschlossene Alterssicherungsbericht Auskunft.

Die Bundesregierung bescheinigt den Älteren einen „deutlichen realen Einkommenszuwachs“ seit 2015 – denn die Preise für die Lebenshaltung stiegen seither nur um 5,3 Prozent. Dabei liegt das monatliche Nettoeinkommen ab 65 Jahren bei Ehepaaren in den alten Ländern bei durchschnittlich 2989 Euro, in Ostdeutschland sind es 2557 Euro. Bei alleinstehenden Männern sind es bundesweit 1816, bei Frauen nur 1607 Euro.

Wie bereits bekannt steht den Rentenbeziehern im Westen im kommenden Jahr eine Nullrunde ins Haus, während die Bezüge im Osten um rund 0,7 Prozent steigen dürften. Mit dpa


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