Corona und Konjunktur Ökonom bleibt dabei: Schon bald wieder höhere Mehrwertsteuer

"Gezielter helfen": DIW-Chef Marcel Fratzscher plädiert für Korrekturen im Krisenmanagement."Gezielter helfen": DIW-Chef Marcel Fratzscher plädiert für Korrekturen im Krisenmanagement.
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Osnabrück. Seit Anfang Juli zahlen die Deutschen weniger Mehrwertsteuer. Ende des Jahres soll damit schon wieder Schluss sein. Das ist auch richtig so, meint ein führender Ökonom und weist Forderungen von Wirtschaftsvertretern zurück, die Steuer auf Dauer zu senken.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnt vor einer Überforderung des Staates in der Corona-Krise. Fratzscher sagte unserer Redaktion: „Wir dürfen vom Staat nicht zu viel erwarten. Dieser kann den wirtschaftlichen Schmerz in dieser akuten Phase der Krise lediglich lindern, aber nicht stoppen.“  

Fratzscher forderte zugleich, die Mehrwertsteuersenkung nicht über das Jahresende hinaus zu verlängern: „Zum einen, weil sie sehr teuer ist, zum anderen, weil die Logik war, durch eine temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer zu einem vorgezogenen Konsum beizutragen. Dies würde bei einer Verstetigung der Mehrwertsteuersenkung nicht mehr funktionieren.“

Die Mehrwertsteuer ist seit Juli bis Ende des Jahres von 19 auf 16 Prozent abgesenkt, der ermäßigte Steuersatz von sieben auf fünf Prozent. Unter anderem der Bundesverband mittelständische Wirtschaft fordert, die Mehrwertsteuer dauerhaft zu senken. Er plädiert für einheitlich 15 Prozent Mehrwertsteuer. 

DIW-Präsident Fratzscher fordert stattdessen, das Geld dort zu verwenden, „wo es besonders dringend benötigt wird“. Kleine und mittlere Unternehmen und Soloselbständige sollten gezielter Unterstützung bekommen, „sowohl durch einen stärkeren Verlustrücktrag bei den Steuern, als auch bei Überbrückungshilfen“.  

Fratzscher drängte zudem darauf, Familien und Menschen mit geringen Einkommen zu entlasten. „Nicht nur die Soloselbständigen, sondern auch die vielen Minijobber sind von dieser Krise besonders hart getroffen.“


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