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Corona-Zahlen im Überblick Inzidenz innerhalb von drei Wochen um das Dreifache erhöht – jetzt bei 16

Von dpa, afp, Redaktion

Wo in Deutschland aktuell die Regionen mit den höchsten und niedrigsten Inzidenzen liegen, erfahren Sie hier.Wo in Deutschland aktuell die Regionen mit den höchsten und niedrigsten Inzidenzen liegen, erfahren Sie hier.
Arne Dedert/AFP

Berlin. Überblick zur Corona-Lage in Deutschland: Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an – 3142 Neuinfektionen werden gemeldet.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in gut drei Wochen auf mehr als das Dreifache gestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Donnerstagmorgen lag sie bei 16,0 – am Vortag betrug der Wert 15,0 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 3142 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus den Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 11.40 Uhr wiedergeben. Am Morgen hatte das RKI die Zahl der Neuinfektionen noch mit 3520 angegeben, die Angaben aber später revidiert. Vor einer Woche hatte der Wert bei 1890 Ansteckungen gelegen, wahrscheinlich fehlten damals jedoch 19 Neuinfektionen aus Brandenburg.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Sieben-Tage-Inzidenz lag mal bei knapp 170

Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz während der dritten Corona-Welle hatte es am 26. April 2021 mit einem Wert von 169,3 gegeben. Danach war sie – von wenigen Ausreißern abgesehen – ziemlich stetig gesunken. Durch die Verbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante in Deutschland war bereits erwartet worden, dass der Rückgang bei den Neuinfektionen in dieser Form nicht anhalten wird.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 10 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 42 Todesfälle gewesen.

Aktueller R-Wert in Deutschland

Zwei andere Corona-Werte lassen jedoch ebenfalls aufmerken: Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwoch bei 1,07. Das bedeutet, dass ein Infizierter rechnerisch im Schnitt einen weiteren Menschen ansteckt. Nach RKI-Daten lag er zuletzt im April über 1,00. Seinen Tiefstand hatte er im Juni mit 0,68 erreicht und war danach verhältnismäßig rasch gestiegen.

Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er wie in den vergangenen Monaten für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen. Es handelt sich bei dem Wert zunächst um eine Schätzung, die jeweils angegebene Zahl wird nachträglich mit weiter beim RKI eingehenden Daten gegebenenfalls noch korrigiert.

Epidemische Notlage bis 30. September verlängert

Der Bundestag hat die wegen der Corona-Pandemie verhängte epidemische Notlage um weitere drei Monate bis zum 30. September verlängert. Die erstmals im März 2020 vom Bundestag festgestellte "epidemische Notlage von nationaler Tragweite" ermöglicht es dem Bundesgesundheitsministerium und anderen Regierungsstellen, weitreichende Verordnungen gegen die Pandemie zu erlassen. 

Derzeit hängen rund 20 Verordnungen direkt von der festgestellten Notlage ab – etwa Regelungen zu Testangeboten und zur Unterstützung von Eltern im Falle pandemiebedingter Kita- und Schulschließungen. Der Wunsch, diese Verordnungen zunächst beizubehalten, war nach Koalitionsangaben einer der Gründe für die Verlängerung der Notlage.

Was passiert bei einem Inzidenzwert von Null?

Das RKI empfiehlt, mindestens bis Anfang September an gewissen Maßnahmen festzuhalten. Im Plan zur Anpassung der Maßnahmen an das aktuelle Infektionsgeschehen sind verschiedene Szenarien an unterschiedliche Maßnahmenpakete geknüpft.

Das bestmögliche Szenario sei erreicht, wenn:

  • die bundesweite Inzidenz unter 10 liegt, 
  • der Anteil an Corona-Patienten auf den Intensivstationen unter drei Prozent liegt,
  • die Inzidenz von Ü-60-Corona-Patienten in den Krankenhäusern unter 3 liegt
  • und die Anzahl von Kontaktpersonen, die nachverfolgt werden können, bei über 90 Prozent liegt.

In diesem Fall könne zwar "alles geöffnet werden", sagte eine RKI-Sprecherin gegenüber der "Bild"-Zeitung, aber: weiterhin nur mit Einschränkungen.

Teilnehmerbeschränkungen für Veranstaltungen, Tests in Alten- und Pflegeheimen und Sitzplatzreservierungen im Personenverkehr, wo es möglich ist, sind weiterhin vorgesehen, so das RKI. Bevor alle Maßnahmen aufgehoben werden können, brauche es mehr als eine Nuller-Inzidenz.

Inzidenz nicht einziger Indikator für weitere Lockerungen

Neben der Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern und der Auslastung der Intensivstationen in den Krankenhäusern müssten weitere Hilfsindikatoren zur Bewertung der epidemischen Lage herangezogen werden: vor allem die Inzidenz der Ü-60-jährigen Corona-Patienten in den Krankenhäusern und der Anteil der nachvollziehbaren Kontaktpersonen.

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Auch der R-Wert, der Anteil neuer Virusvarianten und der Anteil der Fälle, bei denen nicht klar ist, wo sich die Corona-Patienten angesteckt haben werden vom RKI berücksichtigt. Darüber hinaus spielt natürlich der Impffortschritt eine Rolle.

Gesamtzahlen zur Corona-Pandemie in Deutschland

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.769.608 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.655.700 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.702.


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