30 Jahre deutsche Einheit Lohngefälle zwischen West und Ost: DGB ruft nach dem Gesetzgeber

Arbeiter  im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Zwischen dem Westen und dem Osten Deutschlands klafft weiter ein starkes Lohn- und Gehaltsgefälle.Arbeiter im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Zwischen dem Westen und dem Osten Deutschlands klafft weiter ein starkes Lohn- und Gehaltsgefälle.
Patrick Pleul/picture alliance / dpa

Osnabrück. Auch nach 30 Jahren deutsche Einheit gibt es immer noch ein starkes Lohngefälle zwischen West und Ost. Der Deutsche Gewerkschaftsbund drängt auf eine Stärkung der Tarifbindung und ruft den Gesetzgeber zum handeln auf.

 DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte unsererRedaktion: „Der Gesetzgeber könnte es zum Beispiel erleichtern, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären. Auch könnte er vorschreiben, dass nur noch solche Unternehmen bei der öffentlichen Auftragsvergabe zum Zug kommen, die auch Tariflöhne zahlen. Das ist in vielen Bundesländern bereits der Fall, aber leider noch nicht in allen.“ 

Peter Endig/dpa


Die Bundesregierung berichtet am Mittwoch über 30 Jahre deutsche Einheit. Diese sei grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte, aber eine mit Schattenseiten, sagte Hoffmann. Er beklagte, „dass Menschen in den neuen Bundesländern deutlich längere Arbeitszeiten haben und deutlich geringere Löhne“. Das vertrage sich nicht mit der angestrebten Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in Deutschland.

Weiterlesen: Reiner Hoffmann im Interview 

Das Problem liegt nach den Worten von Hoffmann unter anderem darin, dass die Tarifbindung im Osten noch niedriger sei als im Westen. Er beklagte, viele Arbeitgeber weigerten sich, einem Arbeitgeberverband beizutreten. Auch machten viele von sogenannten OT-Mitgliedschaften Gebrauch, also von Mitgliedschaften ohne Tarifbindung. „Wenn die Arbeitgeber das nicht von sich aus stoppen, dann brauchen wir gesetzlichen Flankenschutz“, forderte Hoffmann.

Zahlen aus dem Arbeitsministerium belegen, wie groß die Unterschiede auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch immer sind. Das Durchschnittseinkommen sozialversicherungspflichtig Beschäftigter lag 2019 im Westen bei 3526 Euro. Im Osten waren es 2827 Euro und damit jeden Monat 699 Euro weniger. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine AfD-Anfrage hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach sind die Unterschiede von 2018 bis 2019 etwas geringer geworden, weil Löhne und Gehälter im Osten mit 120 Euro monatlich etwas stärker stiegen als im Westen mit 92 Euro.

 Drastisch zeigt sich das West-Ost-Gefälle auch beim Blick auf die höchsten beziehungsweise niedrigsten Durchschnittsgehälter. Die 15 Städte und Kreise an der Tabellenspitze liegen alle im Westen. Ganz vorn: der VW-Standort Wolfsburg mit 5089 Euro. Die 15 Städte und Kreise mit den niedrigsten Gehältern liegen alle in Ostdeutschland. In Görlitz, im Erzgebirgskreis und im Saale-Orla-Kreis verdienten Arbeitnehmer im Durchschnitt rund 2400 Euro und damit weniger als halb so viel ihre Kollegen im niedersächsischen Wolfsburg.

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