Rentenversicherung im Vergleich "800 Euro mehr": Rente wie in Österreich gefordert

Fordert eine Rentenreform nach dem Vorbild Österreichs: Dietmar Bartsch, Co-Vorsitzender der Linken im Bundestag.Fordert eine Rentenreform nach dem Vorbild Österreichs: Dietmar Bartsch, Co-Vorsitzender der Linken im Bundestag.
Sonja Wurtscheid/picture alliance/dpa

Osnabrück. Deutsche Rentner könnten deutlich mehr Geld aus der gesetzlichen Rentenversicherung bekommen, wenn Deutschland dem Beispiel der österreichischen Altersversorgung folgen würde. Das legt ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages nahe, das der Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, in Auftrag gegeben hat.

Bartsch sagte unserer Redaktion: „In Österreich erhält ein Durchschnittsverdiener, wenn er in Rente geht, rund 800 Euro mehr als ein Durchschnittsverdiener hierzulande.“ Österreich zeige, dass es anders gehe – unter anderem mit einer Rentenkasse, in die alle einzahlen müssten, auch Abgeordnete, Selbstständige und Beamte. Für Bartsch steht fest: „Wir brauchen eine große Rentenreform in Deutschland, die sich an Österreich orientiert.“ 

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Der Studie zufolge erhielten Männer im Nachbarland im Jahr 2018 durchschnittliche Rentenzahlbeträge von 1678 Euro im Monat, Frauen 1028 Euro. Dem standen deutsche Altersrenten von 1148 beziehungsweise 711 Euro gegenüber. Die Differenz erhöht sich noch deutlich, wenn man berücksichtigt, dass österreichische Ruheständler 14 Auszahlungen im Jahr bekommen. Dann kommen Männer im Nachbarland auf durchschnittlich 1958 Euro Rente monatlich, also 810 Euro mehr als Männer in Deutschland. Bei den Frauen beträgt der Unterschied unterm Strich 488 Euro, wie Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, vorrechnet

„Wer die gesetzliche Rente in Deutschland armutsfest und den Lebensstandard sichernd umbauen will, kommt an Österreich als rentnerfreundlichem Vorbild nicht vorbei“, so Birkwald gegenüber unserer Redaktion. Er betonte, die Studie nenne sehr deutlich die Gründe für die Überlegenheit des österreichischen Systems. „Erstens wurden in Österreich Selbständige, Beamtinnen und Beamte und Politikerinnen und Politiker frühzeitig in die Pensionsversicherung einbezogen.“ Und zweitens habe Österreich den größten rentenpolitischen Sündenfall der 2000er Jahre in Deutschland vermieden. Deutschland habe bedauerlicherweise das Versprechen abgeschafft, „dass die gesetzliche Rente den Lebensstandard im Alter sichert und gleichzeitig vor Armut schützt“.

Die bessere Versorgung in Österreich hat indessen auch ihren Preis: So beträgt der Beitragssatz 22,8 Prozent, wobei die Arbeitgeber 12,55 Prozent tragen und die Beschäftigten 10,25 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 18,6 Prozent, die sich Arbeitgeber und Beschäftigte hälftig teilen. Weiteres Detail aus der Studie: Das Regelpensionsalter liegt in Österreich bei 65 Jahren (Männer) und 60 Jahren (Frauen). Zudem haben Versicherte in Österreich, die 45 Beitragsjahre nachweisen, im Alter von 65 Jahren Anspruch auf 80 Prozent des Lebensdurchschnittseinkommens.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages weist zugleich darauf hin, dass die Mindestversicherungszeit für eine Altersrente in Österreich 15 Jahre beträgt und in Deutschland nur fünf Jahre. Unter anderem aufgrund geringerer Versicherungszeiten ergäben sich hierzulande entsprechend niedrigere Renten, „die einen direkten Vergleich verzerren“. 


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