Müller, DGB und tdh machen Druck Kampf gegen Kinderarbeit: Kommt jetzt das Lieferkettengesetz?

"Wir dürfen nicht wegsehen": Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) drängt auf mehr Anstrengungen im Kampf gegen Kinderarbeit."Wir dürfen nicht wegsehen": Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) drängt auf mehr Anstrengungen im Kampf gegen Kinderarbeit.
Tobias Schwarz/AFP Pool/dpa

Osnabrück. Kommt nun endlich das sei langem diskutierte Lieferkettengesetz? Entwicklungsminister Gerd Müller macht Hoffnung auf Fortschritte. Auch die Gewerkschaften und das Kinderhilfswerk terre des hommes lassen bei dem Thema nicht locker.

Die Bundesregierung will den Kampf gegen Kinderarbeit und sexuelle Ausbeutung von Kindern zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen und in dieser Zeit die Grundlagen für ein europäisches Lieferkettengesetz schaffen. „Dazu gehören auch faire Löhne für die Eltern“, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) unserer Redaktion. Nach den Worten von Müller sollte sich kein Unternehmer mehr hinstellen können und sagen, er habe  nichts aktiv "gegen Kinderarbeit und Sklaverei in seiner Lieferkette" getan. Deutschland übernimmt am 1. Juli die Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union. 

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Der Minister beklagte, durch die Corona-Krise drohten massive Rückschritte im Kampf gegen Kinderarbeit und Ausbeutung. „Covid-19 hat in vielen Entwicklungsländern zu einer dramatischen Hunger- und Wirtschaftskrise geführt. Millionen Eltern sind arbeitslos. Eine Milliarde Kinder kann nicht zur Schule gehen und viele verlieren so die einzige Mahlzeit am Tag.“

Der Minister sagte voraus, durch die Corona-Krise würden weitere 40 Millionen Kinder dieses Jahr in extreme Armut geraten. „Eine Folge ist: Kinder müssen arbeiten, damit die Familien überleben können. Und wegen der Not vieler armer Familien und der Ausgangssperren werden auch mehr Kinder Opfer sexueller Ausbeutung.“ Müller forderte: „Wir müssen alles tun, um diese verabscheuungswürdigste Form der Kinderarbeit zu stoppen.“

Auch DGB-Chef Reiner Hoffmann drängte gegenüber unserer Redaktion auf ein Lieferkettengesetz. Er betonte: „Das Verbot von Kinderarbeit ist ein Menschenrecht, das global einzuhalten ist.“ Auch Unternehmen, die von Deutschland aus operieren und in Deutschland Geschäfte machen, müssten sich daran halten. Dies müsse durch ein Lieferkettengesetz überprüft und bei Verstößen geahndet werden.

Birte Kötter, Vorstandssprecherin des Kinderhilfswerks terre des hommes, äußerte ebenfalls die Befürchtung, dass infolge der Corona-Pandemie Kinderarbeit ansteigen wird, weil Millionen Familien keine Einkünfte haben und die Kinder mitarbeiten müssen. Sie betonte: „Das Beispiel der Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, dass Unternehmen verantwortlich handeln und ihre globale Sorgfaltspflicht wahrnehmen. Deshalb fordern wir die Bundesregierung dringend auf, endlich ein gesetzlich verbindliches Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen", so Kötter gegenüber unserer Redaktion.

Deutsche Unternehmen, die im Ausland produzieren lassen, würden durch das Gesetz gezwungen, dort für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen. Das Gesetz soll im besten Fall Kinderarbeit verhindern, existenzsichernde Löhne garantieren und Umweltschäden vermeiden. Kritiker befürchten allerdings eine Einschränkung der Wettbewerbsfähigkeit. Derzeit wird per Umfrage ermittelt, ob Unternehmen jetzt schon entsprechende Sorgfaltspflichten wahrnehmen


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