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„Turbo-Abi“ in Niedersachsen Kultusminister Althusmann warnt vor Rücknahme der G-8-Reform: „Ein ständiges Hin und Her geht zulasten der Schüler“

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Kultusminister Bernd Althusmann. Foto: Jörn MartensNur Sitzenbleiber dürfen länger: In Niedersachsen gibt es keine Alternative zum „Turbo-Abi“Kultusminister Bernd Althusmann. Foto: Jörn MartensNur Sitzenbleiber dürfen länger: In Niedersachsen gibt es keine Alternative zum „Turbo-Abi“

Osnabrück. Zur Verkürzung der Gymnasialzeit äußert sich Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Althusmann, wie bewerten Sie die Verkürzung der Gymnasialzeit?

Mit nur wenigen Ausnahmen wird in Europa und weltweit die Hochschulzugangsberechtigung am Ende des 12. Schuljahrgangs erworben. Die politische Entscheidung für das Abitur nach zwölf Schuljahren ist deshalb richtig, unsere Schülerinnen und Schüler gewinnen dadurch ein Jahr für ihre persönliche Lebensplanung.

Wie haben die ersten Jahrgänge das sogenannte „Turbo-Abi“ gemeistert?

Eine getrennte Auswertung der Abiturergebnisse zeigt, dass es nahezu keinen Leistungsunterschied zwischen den Schuljahrgängen gab. Unsere Schüler von G8 und G9 erzielten im Doppelabitur 2011 in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch fast identische Ergebnisse. Das betraf nicht nur die Durchschnittsnote der Abiturklausuren, sondern zum Beispiel auch die Durchfallquote. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Abiturienten, das Anspruchsniveau wurde beibehalten.

Was entgegnen Sie Kritikern, die bei Gymnasiasten Stress, steigenden Leistungsdruck und mangelnde Reife befürchten?

Die Befürchtungen von Eltern und Schülern müssen ernst genommen werden. Wir arbeiten kontinuierlich daran, für Entlastung zu sorgen, das niedersächsische Abitur muss aber seine hohe, bundesweite Anerkennung behalten. Die Behauptung, dass der gleiche Lernstoff der G-9-Schulzeit jetzt in einem Jahr weniger durchgenommen wird, hält jedoch einer differenzierten Betrachtung nicht stand. Die neuen, kompetenzorientierten Kerncurricula sind auf eine verkürzte Schulzeit ausgerichtet und wurden deutlich entfrachtet. Zudem wurde die Gesamtstundenzahl bis zum Abitur auf 260 Stunden reduziert.

Befürchten Sie, dass SPD und Grüne im Falle eines Wahlsiegs die G-8-Reform rückgängig machen?

Zunächst einmal glaube ich an einen Wahlsieg der CDU. Die SPD hat angekündigt, nur an Gesamtschulen das Abitur wieder am Ende des 13. Schuljahrgangs einzuführen, die Grünen streben eine vollständige Rückkehr nach G9 an. Das würde eine „Rolle rückwärts“ bedeuten. Ein ständiges Hin und Her in dieser Frage geht zulasten der Schüler, der Lehrkräfte, aber auch der Eltern.

Wie gut konnten Gymnasien und Hochschulen den doppelten Abiturjahrgang 2011 bewältigen?

Wir haben als Landesregierung dafür gesorgt, dass an den niedersächsischen Hochschulen genügend Studienplätze vorhanden waren. Die ausbildende Wirtschaft betrachtet den Doppelabiturjahrgang 2011 sogar als Chance, den Fachkräftemangel zu decken. Es kam zu keinen nennenswerten Engpässen.


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