Kampf gegen Coronavirus Bundesweite Maskenpflicht startet: Zieht Deutschland mit?

Von dpa

Ab Montag gilt in fast ganz Deutschland eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen.Ab Montag gilt in fast ganz Deutschland eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen.
dpa/Oliver Berg

Berlin. In ganz Deutschland beginnt in der kommenden Woche – zumindest offiziell – die Zeit der Masken. Doch die Maskenpflicht wird unterschiedlich interpretiert.

Zum Schutz von Mund und Nase reicht aber auch ein Schal oder ein Tuch. In manchen Ländern drohen saftige Strafen – anderswo setzt man nur auf den sozialen Druck. Das Ziel ist dasselbe: Die Corona-Ansteckungsrate zu drücken, auch wenn die Menschen wieder mehr vor die Türe gehen. Denn der Erreger Sars-CoV-2 wird per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen.

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In einigen Ländern gilt die Pflicht bereits, Vorreiter war Sachsen. Die meisten ziehen am Montag, den 27. April, nach – als letztes Bundesland folgt am Mittwoch Schleswig-Holstein. In den allermeisten Ländern gilt dann: im öffentlichen Personennahverkehr sowie beim Einkaufen müssen die Bürger einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

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Schutzmasken-Bußgelder: Bayern streng, Berlin eher lax

Das ist ernst gemeint. Besonders streng ist Bayern: Bei fehlendem Mund-Nase-Schutz in Bussen, Bahnen und Geschäften werden 150 Euro fällig. Für Ladenbesitzer, die nicht sicherstellen, dass ihr Personal Maske trägt, sind sogar 5000 Euro Bußgeld vorgesehen. 

Die meisten anderen Länder gehen es erst mal etwas lockerer an, behalten sich aber vor, mit Bußgeldern nachzulegen. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gilt: Händler dürfen Kunden, die keine Maske tragen, den Zugang verwehren. Die Berliner dagegen müssen nur in Bus und Bahn Mund-Nase-Schutz tragen, nicht beim Einkaufen. Strafen drohen auch keine – abgesehen von bösem Blicken der Mitmenschen vielleicht. 

Zunächst kein Bußgeld in Niedersachsen

In der ersten Woche sollen in Niedersachsen keine Bußgelder verhängt werden, danach aber schon. Die einzelnen Bundesländer handhaben das unterschiedlich. Während einige bei Verstößen gegen die Maskenpflicht keine Bußgelder planen, werden etwa in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 25 Euro fällig, in Hessen sind es sogar bis zu 50 Euro. In Schleswig-Holstein sind bisher keine Bußgelder vorgesehen.

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Die Ungeduld wächst – und jetzt auch noch Masken?

Nicht alle sind davon überzeugt, dass eine Pflicht, Stoff vor dem Gesicht zu tragen, sinnvoll oder verhältnismäßig ist. FDP-Chef Christian Lindner ist kein Gegner der Pflicht, nannte die Bewertung der Maske aber im Bundestag als eines von mehreren Beispiel für wechselnde Bewertungen durch die Bundesregierung: "Masken waren erst unnötig, dann waren sie Virenschleudern, dann waren sie eine Höflichkeitsgeste, dann waren sie ein dringendes Gebot, und heute gibt es eine Maskenpflicht“, sagte er. Quarantäne, Masken und Isolation seien "Mittel des Mittelalters“, 2020 stünden "eigentlich smartere Instrument durch die Digitalisierung“ zur Verfügung.

Fest steht: Die Sehnsucht nach Normalität wächst - und die Unzufriedenheit. Die einen drehen am Rad, weil sie rund um die Uhr ihre kleinen Kinder betreuen müssen oder der Heim-Unterricht mit den größeren schlecht läuft. Auf Facebook tun sich Tausende Eltern zusammen, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen, Eltern-Demos werden organisiert. Andere vereinsamen. Viele bangen um ihren Job – jedes fünfte Unternehmen befürchtet, Insolvenz anmelden zu müssen.

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Schnellerer Corona-Exit? Politiker warnen

Doch Politiker warnen vor zu schnellen Lockerungen und mahnen: Auch mit Maske gilt weiter das Gebot, mindestens eineinhalb Meter Abstand voneinander zu halten. Die Befürchtung ist groß, dass es zu einer zweiten Infektionswelle kommt, jetzt, da viele Läden wieder geöffnet haben und in den Schulen schrittweise der Unterricht wieder beginnt. Und sich der Eindruck aufdrängt, dass die Disziplin bröckelt.

Hören Sie dazu die passende Folge des Podcasts "Coronaland":

Auf Facebook, Twitter und in anderen Netzwerken machten am Wochenende Bilder von gut gefüllten Parks und Plätzen die Runde, auch das Absperrband an Spielplätzen verfehlte teils seine Wirkung. Dazu kamen Demos gegen die Beschränkungen – allein in Berlin-Mitte versammelten sich mehr als Tausend Menschen, auch in anderen Städten gab es Proteste. Im bayerischen Landkreis Miltenberg deckte die Polizei gleich zwei illegale Friseurgeschäfte in Wohnhaus-Kellern auf. Und nun noch die Maskenpflicht obendrauf?

Die Maske als Statement

Viele nehmen das auch mit Humor – oder nutzen das Stück Stoff für ein persönliches Statement, vom Fußballclub des Herzens über aufgemalte Schnauzbärte bis zum Lokalpatriotismus. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kam mit einer Mundschutzmaske mit weißblauem Bayern-Design in den Landtag. 

dpa/Peter Kneffel
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, setzt auf eine Mundschutzmaske in den bayerischen Landesfarben.


Söders baden-württembergischer Amtskollege Winfried Kretschmann (Grüne) trägt in Zeitungsanzeigen einen Mund-Nasen-Schutz mit den drei Löwen des Landeswappens.


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