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Reisebranche alarmiert

Von Waltraud Messmann

wam Osnabrück. Auch in der Reisebranche ist der Missbrauch im Feriencamp ein heftig diskutiertes Thema.

Als erste Konsequenz wird der Verein Bundesforum Kinder- und Jugendreisen neues Schulungsmaterial zum Thema sexuelle Gewalt bei Kinder- und Jugendreisen anders als bisher geplant bereits in den nächsten Wochen an verschiedene Ausbildungsträger ausliefern.

Nach Auskunft des Sprechers des Verbandes Stefan Schiller sollen Jugendreiseleiter durch das Material für unterschiedliche Aspekte der Sexualität von Jugendlichen sensibilisiert werden, um bei Jugendreisen schneller auf Probleme reagieren zu können. Auch der Landessportbund Niedersachsen kündigte an, über weitere Maßnahmen bei der Ausbildung nachzudenken.

Die Sprecherin des europaweit größten kommerziellen Veranstalters von Jugendreisen, Ruf in Bielefeld, Nadja Sölter, teilte mit, dass das Unternehmen bei der Einstellung von Betreuern ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangt. Während Ludwig Ottenbreit vom Reisenetz Berlin in der Neuen Westfälischen Zeitung ankündigte, auch die 75 in dem Verband zusammengeschlossenen Anbieter von Kinder- und Jugendreisen wollten dem Beispiel der Bielefelder folgen, meinte Schiller, „das löst aber nicht alle Probleme“.

Er ging in einem Gespräch mit unserer Zeitung auch auf die Problematik der Zusammenstellung der Gruppen ein: „Wir fordern im Rahmen des ,QMJ Qualitätsmanagements Kinder- und Jugendreisen Rahmenbedingungen Reisebegleitung Sicher Gut!’ eine altersadäquate Zusammensetzung der Gruppen“, betonte der Sprecher. Demnach sollte die Altersspanne möglichst klein sein. Das heiße jedoch nicht, dass es nicht eine Ausschreibung für 6- bis 15-Jährige geben dürfe, so Schiller. Dann müsse allerdings vor Ort in Gruppen mit kleineren Spannen heruntergebrochen werden. Nach seinen Erfahrungen böten sich dafür Gruppen von 6 bis 8 Jahre, von 9 bis 12 Jahre und 13 bis 15 Jahre an.

Der Deutsche Reiseverband nahm die Vorfälle zum Anlass, die Reisenden aufzufordern, sich in die Hände professioneller Anbieter zu begeben. Bei den hauptberuflichen Veranstaltern seien die Kunden „auf der sicheren Seite“, betonte Pressesprecherin Sibylle Zeuch. Sie verfügten über qualifiziertes Personal. Anders als die meisten freien Träger würden die kommerziellen Anbieter ihren Kunden auch einen Insolvenzschutz und eine Veranstalterhaftpflicht bieten.Sie verfügten auch über qualifiziertes Personal.