Coronavirus in Deutschland Keine schnelle Normalisierung in Sicht – Sorge ums Gesundheitssystem

Von dpa

In der Corona-Krise gibt es auch in Deutschland Sorgen, ob die Kapazitäten zur Versorgung schwerkranker Patienten ausreichen. Foto: dpa/Felix Heyder/Uni-Klinik BonnIn der Corona-Krise gibt es auch in Deutschland Sorgen, ob die Kapazitäten zur Versorgung schwerkranker Patienten ausreichen. Foto: dpa/Felix Heyder/Uni-Klinik Bonn
picture alliance/dpa

Berlin. Bürger wie Politiker treibt die Frage um, wann die Lage in Deutschland sich wieder entspannt. Alle werden wohl noch etwas Geduld brauchen.

In der Corona-Krise gibt es auch in Deutschland Sorgen, ob die Kapazitäten zur Versorgung schwerkranker Patienten ausreichen. "Wir müssen jedenfalls damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, ganz klar", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU) machten deutlich, dass schnelle Lockerungen der Kontaktbeschränkungen noch nicht im Raum stehen. Der Bund bemüht sich um schnellen Nachschub an Schutzkleidung.

Keine schnelle Lockerung

Parteiübergreifend dämpften Politiker die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Merkel bat um Geduld. Niemand könne guten Gewissens sagen, wie lange diese "schwere Zeit" anhalte. Braun sagte dem "Tagesspiegel": "Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen." SPD-Chef Norbert Walter-Borjans sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Die Spitze der Infektionswelle steht uns noch bevor." Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) forderte jedoch in der "Welt am Sonntag": "Jetzt ist die Zeit, Maßstäbe für die Rückkehr ins soziale und öffentliche Leben zu entwickeln."

Mehr zum Thema:

Mehr als 57.000 Infektionen

Bis Sonntagnachmittag wurden in Deutschland rund 57.000 Infektionen mit dem neuen Coronavirus registriert. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Das Robert-Koch-Institut berichtete von mindestens 4000 neuen Infektionen innerhalb eines einzigen Tages. Besonders hohe Zahlen haben Nordrhein-Westfalen mit 13.630 nachgewiesenen Fällen und 110 Toten und Bayern mit 13.263 Fällen und ebenfalls 110 Toten. Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Hamburg mit einem Wert von 112,9 die meisten Infektionen. Im Bundesschnitt waren es 68,5. Insgesamt starben in Deutschland schon mindestens 430 Menschen. Niemand weiß, wie hoch die Dunkelziffer bei den Infektionen ist – vermutet wird: hoch.

Regierung will schnelleren Nachschub an Schutzausrüstung

Um den Mangel an Schutzmasken und -kitteln einzudämmen, versucht die Bundesregierung den Ankauf zu beschleunigen. Dafür hat sie ein Verfahren gestartet, in dem Lieferverträge ohne weitere Verhandlungen über den Kaufpreis zustande kommen. Zuerst hatte die "Welt am Sonntag" darüber berichtet. Das sogenannte Open-House-Verfahren sieht vor, dass Anbieter mindestens 25.000 OP-Masken, Schutzkittel oder FFP2-Mundschutze anbieten können. Der Bund kauft diese dann zu einem Preis, den er selbst festgelegt hat. Das ist einfacher und schneller als das sonst geltende Vergaberecht mit Ausschreibungen.

"Corona-Hilfen erreichen Mittelstand nicht"

Handwerk und Reisebranche beklagen eine Förderlücke. "In dieser Extremlage brauchen neben den kleinen Betrieben auch solche mit mehr als zehn Mitarbeitern Soforthilfen", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Ähnlich äußerte sich der Deutsche Reiseverband: "Die Bundesregierung muss dringend Maßnahmen für mittelständische Unternehmen bewilligen", forderte Präsident Norbert Fiebig. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) stellte weiteren staatlichen Anschub für die Zeit nach der Krise in Aussicht.

Sorge vor häuslicher Gewalt wächst

In der Corona-Krise wächst auch die Sorge vor Gewalt, weil Familien auf engem Raum zusammensitzen. Die Opferschutz-Organisation Weißer Ring warnt, man müsse "mit dem Schlimmsten rechnen". Aus anderen Ländern gibt es schon Belege dafür, dass vor allem für Frauen und Kinder das Risiko steigt. Geprüft wird nun, ob Frauen und Kinder zu ihrem eigenen Schutz in leeren Hotels untergebracht werden können.

EU-Ärger um Corona-Bonds

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich zurückhaltend über sogenannte Corona-Bonds geäußert und Ärger in Italien ausgelöst. Ministerpräsident Giuseppe Conte, der eine gemeinsame Schuldenaufnahme der EU fordert, reagierte empört: Er werde bis zum Ende seiner Kräfte für eine starke gemeinsame Antwort auf die Corona-Krise kämpfen. Die EU-Kommission stellte daraufhin klar, dass alle Optionen auf dem Tisch blieben, sofern die EU-Verträge sie zuließen. Österreich bekräftigte dagegen sein Nein zu Coronabonds.  

Neuer Olympia-Termin

Bei der Suche nach einem neuen Termin für die Olympischen Spiele in Tokio zeichnet sich eine Verschiebung auf den Sommer 2021 ab. Nach Berichten aus Japan und den USA könnte der Neustart mit einer Eröffnungsfeier am 23. Juli 2021 erfolgen. Die Schlussfeier wäre demnach am 8. August. Die wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagten Spiele waren für den 24. Juli bis 9. August 2020 geplant. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN