Pjöngjang provoziert Seoul Südkorea: Nordkorea testet wieder Raketen

Von dpa

Ein Fernseher in Seoul zeigt einen Raketenstart in Nordkorea. Foto: Ahn Young-Joon/AP/dpaEin Fernseher in Seoul zeigt einen Raketenstart in Nordkorea. Foto: Ahn Young-Joon/AP/dpa
Ahn Young-Joon/AP/dpa

Seoul. Wieder ein Raketentest: Mitten in der weltweiten Corona-Krise zeigt Nordkorea, dass es an seiner harten Linie festhält.

Nordkorea hat zum vierten Mal in diesem Monat Raketen Richtung offenes Meer gefeuert. Bei den beiden Flugkörpern handelte es sich nach Einschätzungen aus Südkorea und Japan vermutlich um ballistische Raketen von kurzer Reichweite.

Sie seien am Morgen (Ortszeit) an der Ostküste Nordkoreas gestartet und etwa 230 Kilometer weit geflogen, teilte der Generalstab in Südkorea mit.

Die Erprobung ballistischer Raketen ist der selbst ernannten Atommacht Nordkorea durch UN-Resolutionen verboten. Trotzdem treibt das kommunistische Land unter Machthaber Kim Jon Un seit Jahren die Entwicklung von Raketen voran, die auch mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden könnten. Deshalb gelten harte internationale Sanktionen.

Südkoreas höchste Kommandobehörde kritisierte das Verhalten des Nachbarstaats ähnlich wie bei einem Raketentest vor gut einer Woche. „In einer Situation, in der die ganze Welt Schwierigkeiten wegen Covid-19 hat, ist diese militärische Aktion Nordkoreas höchst unangemessen“, hieß es. Die Führung in Pjöngjang müsse die Tests sofort einstellen.

Auch Bundesregierung kritisierte den erneuten Raketentest. „Mit der Serie völkerrechtswidriger Raketentests seit Beginn des Monats setzt sich Nordkorea weiterhin auf eklatante Weise über seine Verpflichtungen aus einschlägigen Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen hinweg“, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin. In einer Zeit, in der weltweite Solidarität und Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gefordert seien, gefährde das Land die internationale Sicherheit mit den Tests in unverantwortlicher Weise, hieß es in einer Erklärung vom Sonntag weiter.

Ein außenpolitischer Experte des Cato Institute aus den USA, Eric Gomez, schrieb auf Twitter, Nordkorea habe dieses Jahr bislang nur „konventionelle Systeme“ getestet. „Aus innenpolitischen Gründen ist es wichtig zu zeigen, wie gut vorbereitet die von Kim kontrollierte KPA (Koreanische Volksarmee) ist, auch in einer Zeit des internen Drucks durch das Coronavirus.“ Aus Furcht vor einer Einschleppung des Virus hatte das ohnehin abgeschottete Land im Januar seine Grenzen zu China und Russland geschlossen.

Auch Japan geht davon aus, dass es sich bei dem neuen Test um ballistische Raketen handelte. „Wir werden gründlich untersuchen, warum Nordkorea die internationale Gemeinschaft so oft herausgefordert hat“, sagte Verteidigungsminister Taro Kono nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo.

Die neuen Raketentests werden auch als Versuch gesehen, Nordkoreas Waffentechnik zu verbessern, während die Verhandlungen mit den USA über Pjöngjangs Atomwaffenprogramm nach wie vor stocken. Bei dem Test am 21. März wurden nach Angaben Südkoreas zwei Raketen im Westen Nordkoreas abgefeuert. Sie flogen mehr als 400 Kilometer, ebenfalls Richtung Japanisches Meer. Experten halten es für möglich, dass ein neues, mit Feststofftreibsatz angetriebenes System getestet wurde.


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