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28.02.2020, 17:30 Uhr KOMMENTAR

Türkisch-russisches Kräftemessen in Syrien ist kein Fall für die Nato

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Menschenleer, nur noch eine Trümmerwüste: So sieht es in vielen Orten der nordsyrischen Region Idlib aus. Fast eine Million Zivilisten  sind bereits geflohen. Foto: Omar Haj Kadour/AFPMenschenleer, nur noch eine Trümmerwüste: So sieht es in vielen Orten der nordsyrischen Region Idlib aus. Fast eine Million Zivilisten sind bereits geflohen. Foto: Omar Haj Kadour/AFP
OMAR HAJ KADOUR

Osnabrück. Angesichts der militärischen Eskalation in Nordsyrien fordert die Türkei mehr Beistand der Nato. Die Verbündeten müssten handeln, um Zivilisten zu schützen. Wie zynisch.

Die Türkei – wie auch Russland – eskaliert den Krieg in der Region seit langem und ist nun noch so dreist, internationale Unterstützung zu fordern?

Türkische Soldaten kämpfen auf dem Territorium des Nachbarstaates aus innenpolitischen Gründen. Ankara geht es vor allem darum, kurdisch bewohnte Gebiete unter seine Kontrolle zu bringen. Dazu kooperiert Präsident Recep T. Erdogan sogar mit islamistischen Rebellen. Und das soll die Verteidigungsallianz flankieren? Gut, dass sie es bei warmen Worten der Solidarität belässt. 

Erdogan verkennt die Realität. Will er sich wirklich mit Russland anlegen, der Schutzmacht des syrischen Diktators? Und auch die Nato in das Geschehen mit hineinziehen? Es drohte eine offene größere internationale militärische Konfrontation. Noch mehr Flüchtlinge gen Europa wären die Folge.

Für die EU rächt es sich, dass man sich mit Blick auf Syrien zu lange mit der Rolle des bedauernden Zuschauers zufrieden gegeben hat und gibt. Ihre Tatenlosigkeit ist mitverantwortlich dafür, dass die Bevölkerung Nordsyriens zum Spielball türkisch-russischen Kräftemessens geworden ist. Gleichwohl dürfen sich weder Bundesregierung noch EU durch die Drohung Erdogans, syrische Flüchtlinge in die EU zu schicken, erpressen lassen.


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