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Rechenfehler in Langenhorn Hamburg-Wahl: FDP fliegt nach erneuter Auszählung aus Bürgerschaft

Niederlage in Hamburg für FDP-Chef Christian Lindner und FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels-Frowein. Foto: imago images/Metodi PopowNiederlage in Hamburg für FDP-Chef Christian Lindner und FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels-Frowein. Foto: imago images/Metodi Popow
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Hamburg. Nach einer 24-stündigen Zitterpartie verpasst die FDP ganz knapp den Wiedereinzug in die Hamburgische Bürgerschaft. Aber ihre Spitzenkandidatin erringt ein Mandat in ihrem Wahlkreis. Die AfD muss nicht mehr bangen.

Die FDP ist bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg ganz knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kamen die Freidemokraten auf 4,9 Prozent und verpassten so den Einzug ins Landesparlament. Allerdings gewann FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels-Frowein in ihrem Wahlkreis Blankenese ein Mandat. Nach ersten Zahlen vom Sonntagabend hatte die FDP noch bei 5,0 Prozent gelegen. Bei der Wahl vor fünf Jahren holte die FDP 7,4 Prozent.

Wie das Landeswahlamt am Montag weiter mitteilte, schaffte auch die AfD den Wiedereinzug in die Bürgerschaft mit 5,3 Prozent (2015: 6,1 Prozent). Stärkste Kraft wurde die SPD von Bürgermeister Peter Tschentscher, die nach der erneuten Auszählung sogar noch um plus 0,2 Prozent zulegte – auf 39,2 Prozent (45,6). Auf Platz zwei landeten die Grünen unter Spitzenkandidatin Katharina Fegebank mit 24,2 Prozent (12,3). Auf die CDU entfielen 11,2 (15,9), auf die Linke 9,1 Prozent (8,5).

Vorläufige Sitzverteilung – ein Sitz für die FDP-Kandidatin

 

Das endgültige Ergebnis soll am 11. März feststehen. Die konstituierende Sitzung der neuen Bürgerschaft ist für den 18. März geplant.

Wahlhelfer verwechseln Stimmen für FDP und Grüne

Für die FDP hatte sich die Auszählung der Stimmen zur Zitterpartie entwickelt. Am Wahlabend hatte es aufgrund vorläufiger Zahlen noch so ausgesehen, als sei die FDP mit fünf Prozent knapp in die Bürgerschaft eingezogen. 

Wie sich am Montag herausstellte, war es am Sonntagabend bei einer Schnellzählung in einem Wahllokal aber zu einer Verwechslung der Stimmen von FDP und Grünen gekommen, wodurch den Liberalen etwa 400 Stimmen zu viel gutgeschrieben wurden. Auch die AfD hatte in den ersten Hochrechnungen zunächst unter der Sperrklausel gelegen.

Aufgrund des komplizierten Wahlrechts der Hansestadt mit zehn Einzelstimmen pro Wähler wurde das vorläufige amtliche Ergebnis erst am Montag durch eine genaue Auszählung sämtlicher Stimmen ermittelt. Bei den Zahlen vom Sonntag handelte es sich nur um eine vereinfachte Auszählung der Zweitstimmen, die aufgrund des großen öffentlichen Interesses bereits vorab vorgenommen wurde.

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FDP geht von keinen personellen Konsequenzen aus

Die Hamburger FDP reagierte enttäuscht auf den nun doch knapp verpassten Wiedereinzug in die Hamburgische Bürgerschaft. "Das finde ich sehr, sehr schade. Das ist für uns als Partei natürlich ein trauriges Ergebnis", sagte FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels-Frowein am Montagabend am Rande der Landesvorstandssitzung der Hamburger FDP. Es sei auch für die Opposition in der Bürgerschaft schade, dass eine liberale Stimme fehle. Personelle Konsequenzen spielten in der Partei keine Rolle. "Das hat uns richtig hart getroffen. Aber wir stehen alle jetzt zueinander."

Mit dem Sieg eines Direktmandats in ihrem Wahlkreis Blankenese wäre Treuenfels-Frowein Abgeordnete ohne Fraktion. "Bei den ganzen letzten Wochen, die wir hier erlebt haben, warte ich erstmal auf amtliche Endergebnisse, bevor ich überhaupt noch sowas kommentiere", sagte sie.

Wie es jetzt weiter geht

Die SPD will Grünen und CDU noch in dieser Woche Termine für Sondierungsgespräche anbieten. "Wir wollen die Hamburgerinnen und Hamburger nicht länger als nötig auf eine neue Regierung warten lassen", sagte die SPD-Landesvorsitzende und Sozialsenatorin Melanie Leonhard am Montagabend am Rande der Sitzung des Landesvorstands. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) betonte: "Wir werden jetzt sehr bald zunächst auf die Grünen, aber eben in einem zweiten Schritt auch auf die CDU zugehen und ein Gespräch anbieten." Die "erste Option" sei aber ein rot-grüner Koalitionsvertrag. 


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