Kleinbeträge belegfrei Gesetz gegen Müllberge: Frankreichs Parlament kippt Bonpflicht

Von afp

Kurz nachdem in Deutschland eine Bonpflicht eingeführt wurde, wird sie in Frankreich für Kleinbeträge abgeschafft. Foto: dpa/Jan WoitasKurz nachdem in Deutschland eine Bonpflicht eingeführt wurde, wird sie in Frankreich für Kleinbeträge abgeschafft. Foto: dpa/Jan Woitas
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Paris. In Deutschland ärgern sich viele über die neue Kassenbonpflicht auch für Kleinbeträge – Frankreich geht nun einen anderen Weg: Im Kampf gegen Müllberge hat das Parlament am Donnerstag das Aus für viele Kassenzettel besiegelt.

Das französische Parlament hat ein umfassendes Gesetz gegen Müll verabschiedet. Der Senat stimmte der Gesetzesvorlage am Donnerstag zu. Zuvor hatte bereits die Nationalversammlung, das Unterhaus des Parlaments, ihre Zustimmung gegeben. Damit dürfen nicht verkäufliche Textilien und Hygieneartikel ab 2022 nicht mehr vernichtet werden, sondern müssen gespendet oder recycelt werden. 

Zudem werden Kassenzettel für kleine Summen abgeschafft – außer der Kunde verlangt sie ausdrücklich. Ab September sollen Bons für einen Einkauf bis zu zehn Euro nicht mehr ausgedruckt werden. 2021 fallen Kassenzettel bis zu 20 Euro weg, ab 2022 solche bis zu 30 Euro.

In Deutschland gilt seit 1. Januar umstrittene Bonpflicht

Schon jetzt nehmen es die Franzosen mit der Bonpflicht bei Kleinbeträgen nicht so genau: Wer sein Baguette in einer Bäckerei kauft, bekommt in vielen Fällen keinen Kassenzettel. In Deutschland müssen Händler und Restaurants seit dem 1. Januar jedem Kunden einen Bon aushändigen.

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Dagegen laufen nicht nur viele Einzelhändler Sturm. "Die Bonpflicht ist totaler Unfug", sagte am Donnerstag der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Christian Dürr. "Union und SPD sollten sich ein Beispiel an Präsident Macron nehmen!"

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Frankreich führt Label für reparierbare Elektronik ein

Die Nationalversammlung in Paris hat ein Gesetz mit Maßnahmen zur Müllvermeidung beschlossen. Foto: AFP/BERTRAND GUAY

Das "Gesetz gegen Verschwendung" sieht noch andere Maßnahmen zum Umweltschutz vor: So soll es ein neues Label für die "Reparierbarkeit" elektronischer Geräte wie Waschmaschinen, Fernseher und Handys geben. Damit will die Regierung verhindern, dass wie bisher 60 Prozent der Geräte mit einem Defekt auf dem Müll landen. 

Auch gegen die sich häufenden Plastikberge geht Frankreich vor: Schnellrestaurants müssen demnach spätestens ab 2023 wiederverwendbare Verpackungen und Besteck nutzen. Allgemein droht Wegwerfverpackungen aus Plastik aber erst 2040 das Aus. Umweltorganisationen wie der WWF kritisierten dies als "zu spät". Ein Pfand für Flaschen und Dosen wie in Deutschland ist dagegen vorerst vom Tisch. Die Kommunen sollen nun zunächst bis 2023 zeigen, ob sie die Müllberge auch ohne Pfand reduzieren können, wie es die EU vorschreibt.


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