„Form von Diffamierung“ Gerhard Schröder über Dauerkritik der „Bild“-Zeitung: „Das sind sehr junge Leute“

Die "Bild" versucht laut Schröder, Radikalkritik im Stil sozialer Netzwerke auch im Journalismus zu etablieren - ein Fehler, wie er findet. Foto: Marco UrbanDie "Bild" versucht laut Schröder, Radikalkritik im Stil sozialer Netzwerke auch im Journalismus zu etablieren - ein Fehler, wie er findet. Foto: Marco Urban

Osnabrück. Als Kanzler sagte Gerhard Schröder, zum Regieren brauche er „Bild“ und Glotze. Heute beißt sich die „Bild“ an ihm trotz Dauerkritik die Zähne aus. „Ich bin mir sicher, dass sie mit dieser Art von persönlichen Angriffen und Kampagnen keiner mehr ernst nimmt, ich schon gar nicht“, so der SPD-Politiker im NOZ-Interview.

Die „Bild“ bezeichnete Schröder wegen seiner Tätigkeit für russisch geprägte Unternehmen alleine in den jüngsten Wochen als „Chef-Lobbyisten eines autoritären Regimes, das Journalisten ermorden lässt“, oder warf ihm vor, Geld aus der gleichen Kasse zu erhalten, die Angriffe auf Krankenhäuser in Syrien finanziere. „Diese Leute, die das schreiben, sind sehr jung“, sagte Schröder jetzt in dem Interview. „Mein Eindruck ist, dass sie versuchen, Formen von Diffamierung, die man aus den sozialen Medien kennt, in den Printbereich zu übertragen.“ Er fügte hinzu: „Wie man an der dramatisch sinkenden Auflage sieht, ist das nicht erfolgreich.“

Er halte es auch grundsätzlich für Medien nicht für ratsam, die Radikalität, die in den sozialen Netzwerken verbreitet sei, überbieten zu wollen. „Diesen Wettbewerb kann der seriöse Journalismus nie gewinnen. Das Ergebnis würde ja sein, dass Journalismus diskreditiert wird“, sagte Schröder. Er befürchte auch nicht, dass die scharfe und permanente Kritik an ihm den Dingen schade, für die er sich einsetze, etwa als Verwaltungsratschef des Pipeline-Betreibers Nord Stream. „Die Unternehmen entwickeln sich erfolgreich. Ich sehe also nicht, warum man da auf solche Gedanken kommen sollte.“

Mit Russlands Präsident Wladimir Putin verbinde ihn eine persönliche Freundschaft, betonte Schröder. Dies sei bekannt „und bleibt auch so, egal, was da geschrieben wird“. Bei der Kritik an seiner Haltung gehe es aber ohnehin nur mittelbar um ihn persönlich. „Ich halte die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland für entscheidend für die künftige politische und wirtschaftliche Entwicklung, die unser Kontinent nehmen wird. Das ist politisch umstritten, insofern steht man dann natürlich unter Feuer.“ Zwischen einem mächtiger werdenden China und einem Partner USA, der sich abwende, werde Deutschland Russland in Zukunft als Partner noch brauchen, begründete Schröder seine Überzeugung.

Das vollständige Interview finden Sie hier. 


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