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02.12.2019, 18:24 Uhr ERBSCHAFTSTEUER IN DER KRITIK

Kaum Steuern für Großerben: Ist das fair?

Ein Kommentar von Uwe Westdörp


Wenn um's um viel Geld geht, dann steht oft eine Erbschaft an. Steuern reduzieren den Betrag, allerdings gibt es viele Ausnahme,  auch und gerade für Erben von Unternehmen. Foto: Christin Klose/dpaWenn um's um viel Geld geht, dann steht oft eine Erbschaft an. Steuern reduzieren den Betrag, allerdings gibt es viele Ausnahme, auch und gerade für Erben von Unternehmen. Foto: Christin Klose/dpa

Osnabrück. Auf Erbschaften oder Schenkungen über zehn Millionen Euro mussten 2018 in Deutschland kaum Steuern gezahlt werden. Dafür mag es im Einzelfall gute Gründe geben. Die Menge der Fälle löst aber zu Recht Kritik aus. Ein Kommentar.

Nur kein Neid. Es geht nicht darum, Erben abzukassieren oder gar abzustrafen. Jedem sei ein möglichst großes Erbe gegönnt. Denn das bedeutet Sicherheit und Perspektiven: für das eigene Leben, für die Familie oder für Mitarbeiter.

Angesichts der jetzt bekanntgewordenen niedrigen Steuersätze für Großerben stellt sich aber einmal mehr die Frage, ob es bei der Erbschaftssteuer fair und gerecht zugeht. Zur Erinnerung: 2014 hatte das Bundesverfassungsgericht schwere Verstöße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz festgestellt und eine Reform angemahnt. Diese gilt seit 2016.

 Es ist aber noch lange nicht alles gut. So tragen Erbschaften und Schenkungen dazu bei, dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird. Wer besonders viel hat, dem wird besonders viel gegönnt: Meist muss er deutlich niedrigere Steuern zahlen als jemand, der weniger erbt oder sein Geld mit Arbeit verdient.

Es ist ohne Zweifel richtig, Unternehmen nicht zu überlasten. Niemandem ist damit gedient, wenn dann Betriebe aufgeben müssen oder Arbeitsplätze verloren gehen. Insofern ist auch eine komplette Befreiung von der Erbschaftsteuer vertretbar. Das darf aber nicht zu einer übertriebenen Privilegierung anstrengungslos erworbener Vermögen führen. Stattdessen müssen Reiche und Vermögende fair an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligt werden.     


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