Erderwärmung Klimagipfel in Madrid: Warten auf Gretas Standpauke

Von Ralf Schulze

Willkommen beim Klimagipfel in Madrid: Das Logo Foto: Gabriel Bouys/AFPWillkommen beim Klimagipfel in Madrid: Das Logo Foto: Gabriel Bouys/AFP

Madrid. Madrid hat der 25. Weltklimagipfel begonnen – doch zum Jubiläum gibt es wenig zu feiern. "Wir müssen endlich zeigen, dass wir es ernst meinen damit, den Krieg gegen die Natur zu beenden“, wetterte UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Zum Auftakt der UN-Klimakonferenz in Madrid gab es am Eingang des Tagungspalastes für alle Teilnehmer ein symbolisches Geschenk: Eine gläserne Wasserflasche. Verbunden mit der freundlichen Aufforderung, diese doch bitte mit Leitungswasser aufzufüllen und so den Gipfeldurst zu löschen - ein Appell, der in Spanien, wo es kein Flaschenpfandsystem gibt und jedes Jahr Millionen Plastikwasserflaschen im Müll oder in der Landschaft landen, großen Sinn macht. Zumal das Leitungswasser von Madrid berühmt ist für seine gute Qualität.

Drinnen, im großen Konferenzsaal auf dem Madrider Messegelände, folgten zur Eröffnung des Gipfels Cop25 weitere eindringliche Aufrufe, so von UN-Generalsekretär Antonio Guterres: 

Der einzige Weg, um den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen, ist die Reduzierung der fossilen Brennstoffe. Wenn wir dies nicht tun, werden wir in einer katastrophalen Situation enden.

Den Kampf gegen den Klimawandel müssten die Staats- und Regierungschefs son schon deshalb führen, um der jungen Generation eine Zukunft zu sichern. Die Jungen forderten zu Recht spürbare Fortschritte im Kampf gegen den drohenden Klimakollaps, betonte Guterres: „Wenn wir nicht rasch unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben selbst. Wir müssen endlich zeigen, dass wir es ernst meinen damit, den Krieg gegen die Natur zu beenden“. 

Ist die Lage wirklich so düster? 

Ja, denn trotz aller Anstrengungen beschleunigt sich die Erderhitzung zurzeit sogar noch. Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 

Zu den drastischen Folgen zählen mehr extreme Wetterereignisse

Also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen.

Und das ist erst der Anfang: Ginge es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad, wie das UN-Umweltprogramm Unep dieser Tage vorgerechnet hat. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad, um die gefährlichsten Kipppunkte im Ökosystem zu umschiffen. Ob dies gelingt?

Der zehntägige Klimagipfel Cop25 steht unter dem Motto „Zeit zum Handeln“. Auf der Konferenz beraten Delegationen aus nahezu 200 Ländern über weitere Schritte, um die Erderhitzung zu bremsen. COP25 ist das 25. UN-Folgetreffen, um die Fortschritte seit dem Gipfel in Rio de Janeiro zu überprüfen, auf dem 1992 die Klimarahmenkonvention unterzeichnet wurde. 

An die 29.000 Menschen nehmen nun am Cop25 teil: Politiker, Wissenschaftler, Umweltschützer und Wirtschaftsbosse – auch 50 Regierungs- und Staatschefs sind dabei.

Die weltweit bekannteste Protagonistin der jungen Generation, die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, war zum Gipfelbeginn noch nicht in Madrid eingetroffen. Die 16-Jährige befand sich weiterhin an Bord des Katamaran „La Vagabonde“ auf hoher See. 

Foto: Rob Ostermaier/The Virginian-Pilot/AP/dpa

Das Segelschiff soll nach einer dreiwöchigen Atlantiküberquerung am heutigen Dienstagmorgen im Hafen der portugiesischen Hauptstadt Lissabon anlegen. Von dort wollte Greta mit einem möglichst umweltschonenden Verkehrsmittel nach Madrid weiterreisen, wo sie die nächsten Tage erwartet wird.

Ausgerechnet einige jener Staatschefs, deren Länder zu den größten Klimaschädlingen gehören, glänzen durch Abwesenheit. Wie etwa US-Präsident Donald Trump oder Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro. Beide Politiker halten nicht viel vom Klima- und Umweltschutz und bekamen zum Gipfelstart harte Kritik zu hören. Eine Handvoll Fanatiker

„Heute verweigert sich nur noch eine Handvoll von Fanatikern den bewiesenen Tatsachen“, erklärte etwa Spaniens sozialistischer Premier Pedro Sánchez. Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach in Madrid, die EU wolle Vorreiter beim Klimaschutz sein: 

Unser Ziel ist es, dass Europa bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent sein wird.

Zum Abschluss der Klimagipfels, werde die Kommission ihren Klimaschutzplan namens „European Green Deal“ vorstellen.  

Nach Meinung von Greenpeace und WWF reichen aber auch die EU-Ambitionen nicht aus. Die Umweltverbände fordern, dass bereits zehn Jahre früher, also bis 2040, der Ausstoß von Treibhausgasen komplett gestoppt und Klimaneutralität erreicht wird. Immerhin sind sich Umweltschützer und EU-Kommission in einem Punkt einig: Europa muss den Kampf gegen die Erderwärmung anführen. Europa muss Vorbild sein

Ursprünglich war die Weltklimakonferenz im südamerikanischen Santiago de Chile geplant, weswegen Greta per Segelboot den Atlantik gekreuzt hatte. Doch dann wurde das Treffen wegen der anhaltenden Proteste kurzfristig nach Madrid verlegt. 

Deswegen beschloss die junge Aktivistin, die zum Gesicht der globalen Klimaschutzbewegung geworden ist, nach Europa zurückkehren. Weil sie möglichst emissionsfrei reisen will, wählte die Schwedin, die von ihrem Vater begleitet wird, auch für den Rückweg wieder ein Segelgefährt.

Auf der Klimakonferenz will Greta, wie sie es bei früheren Gelegenheiten tat, den Politikern heftig ins Gewissen reden. Im Vorfeld twitterte sie an ihre Millionen Anhänger: 

Wir können eine Krise nicht lösen, ohne sie als solche zu behandeln“. Lasst uns hoffen, dass sie jetzt drastische hinreichende Maßnahmen ergreifen.

Zuvor hatte das Europaparlament bereits formell den „Klimanotstand“ ausgerufen. Am kommenden Freitag will Greta die große Klimaschutz-Demo der Fridays-for-Future-Bewegung in Madrid anführen. (mit dpa)


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