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29.11.2019, 17:33 Uhr KOMMENTAR

Afghanistan ist von Stabilität noch Lichtjahre entfernt

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Donald Trump serviert Truthahn - und kündigt beim Spontanbesuch der US-Truppen in Afghanistan neue Friedensgespräche mit den Taliban an: "Sie wollen auch einen Deal". Foto: Olivier Douliery/AFPDonald Trump serviert Truthahn - und kündigt beim Spontanbesuch der US-Truppen in Afghanistan neue Friedensgespräche mit den Taliban an: "Sie wollen auch einen Deal". Foto: Olivier Douliery/AFP
OLIVIER DOULIERY

Osnabrück. Donald Trump ist der große Vereinfacher. Als solcher verspricht der US-Präsident außenpolitisch gern das Blaue vom Himmel. So hat sich weder Nordkorea von ihm denuklearisieren lassen, noch ist der Nahost-Konflikt in seiner Amtszeit einem Frieden auch nur ein Stück näher gekommen. All das verheißt für die Zukunft der Afghanen nichts Gutes.

Geht es nach Donald Trump, sind die Tage der US-Truppen in Afghanistan gezählt. Immerhin will der Präsident solange militärische Präsenz zeigen, bis ein „Deal“ mit den Taliban erzielt ist. Was dieser dann wert ist? Der Geschäftsmann in der Haut eines Staatsmannes glaubt, dass Politik auch nur ein Geschäft ist. Wenn es so einfach wäre.

Fast zwei Jahrzehnte hatte das mächtigste Land der Welt Zeit, die unruhige Region am Hindukusch zu befrieden. Doch sowohl die Diplomatie wie auch die US-Soldaten - laut Trump „die härtesten, stärksten, besten und mutigsten Kämpfer auf der Erde“ – müssen ihr Scheitern eingestehen.

Militärisch ist der Krieg in Afghanistan nicht zu gewinnen. Deshalb nun ein neuer Anlauf zu Friedensgesprächen mit den Taliban. Doch können sie einen nachhaltigen Erfolg haben, wenn eine Konfliktpartei, die Regierung, nicht mit am Tisch sitzt? Und da ist noch die Frage: Wie teuer kommt ein Friedensschluss mit den Taliban die Bürger im Land zu stehen? Wer garantiert Frauen- und Bürgerrechte, ein Rechtssystem jenseits der mittelalterlichen Scharia?

Es ist ein Trugschluss zu glauben, eine Friedensvereinbarung machte internationale Präsenz und Hilfe überflüssig. Ohne dass der Westen den Afghanen echte wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven bietet, wird es keinen nachhaltigen Frieden geben.


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