Keine Naturschützer, keine Opposition Agrargipfel im Kanzleramt: Merkel allein unter Bauern

Auf Bauernprotest in Berlin folgt Agrargipfel. Foto: dpa/Wolfgang KummAuf Bauernprotest in Berlin folgt Agrargipfel. Foto: dpa/Wolfgang Kumm
Wolfgang Kumm

Osnabrück. Für kommenden Montag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Agrargipfel ins Bundeskanzleramt geladen – doch an der Teilnehmerliste gibt es heftige Kritik. Zwar sind insgesamt 40 Verbände aus dem weiten Sektor der Landwirtschaft zum Treffen eingeladen. Tier- und Naturschützer, die Bundesländer oder aber auch die Opposition im Bundestag fehlen komplett.

Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, kritisierte: „Beim Agrargipfel sprechen nicht die bäuerlichen Familienbetriebe, sondern die Wirtschaftsverbände, die ohnehin bei Klöckner ein und aus gehen.“ 

Laut einer Teilnehmerliste, die unserer Redaktion vorliegt, werden beispielsweise der Bauernverband oder die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft DLG an dem Treffen teilnehmen. Sie sind die größten Dachorganisationen der Agrarbranche.

Bauer Willi und Alternativ-Verbände

Eingeladen sind aber auch andere Verbände wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft oder aber der Agrarblogger „Bauer Willi“ Willi Kremer-Schillings, der vor einigen Wochen die Grüne-Kreuze-Bewegung als stillen Protest gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung ins Leben gerufen hatte. Überall im Land finden sich mittlerweile die Kreuze auf Äckern.

Foto: Gert Westdörp

Auch die Initiatoren der Großdemonstrationen der vergangenen Wochen werden am Tisch sitzen. Dirk Andresen und Sebastian Dickow sind laut Teilnehmerliste als Vertreter der Bewegung „Land schafft Verbindung“ dabei. 

Zuletzt waren am Dienstag mehrere Tausend Bauern auf Treckern nach Berlin gefahren, um gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren – die bis dato dritte Großdemo.

Foto: imago images/Eibner

Als Reaktion auf die Bewegung hatte Merkel zum Agrargipfel geladen. Das Bundeskanzleramt wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion zunächst nicht zu der Teilnehmerliste äußern. Man werde sich dazu am Freitag erklären, hieß es.

Grüne: Das ist kein echter Dialog

Grünen-Politiker Ostendorff zeigte sich jedenfalls skeptisch, was den Ausgang der Veranstaltung angeht: „Der Agrargipfel wird nicht verbinden, sondern weiter spalten. Für einen echten Dialog müssen der Tier- und Naturschutz, die Länder und die Opposition eingebunden werden.“

Albert Stegemann, agrarpolitischer Sprecher der Union im Bundestag, hielt dagegen: „Die Kanzlerin macht Ernährung und Landwirtschaft zur Chefsache. Das ist mehr als nur ein überfälliges Zeichen der Anerkennung.“ 

Stegemann: Dialog muss weitergehen

Der Dialog dürfe aber nicht im Kanzleramt enden. In der Mensa jeder Kita, jeder Schule oder Krankenhauses müsse er geführt werden, so Stegemann: „Dort wird tagtäglich mitentschieden, wie unsere Landwirtschaft aussieht.“

Nur reden sei aber zu wenig, betonte Stegemann, der auch die Landwirte in die Pflicht nimmt: „Ich erwarte von den Bauern mehr Engagement. Sie brauchen eine wirkungsvolle Branchenorganisation, die über die Arbeit der Landwirtschaft informiert.“ Eine gute Kommunikation mit den Verbrauchern liege im Eigeninteresse der Bauern.


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