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28.11.2019, 12:09 Uhr KOMMENTAR

Ein Pflichtdienstjahr ist kein verlorenes Jahr

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Soldat sein oder Sozialdienst absolvieren: Der Dienst an der Gemeinschaft hat viele Gesichter. Warum ihn nicht verpflichtend machen?  Foto: Patrick Pleul/dpaSoldat sein oder Sozialdienst absolvieren: Der Dienst an der Gemeinschaft hat viele Gesichter. Warum ihn nicht verpflichtend machen? Foto: Patrick Pleul/dpa

Osnabrück. Man muss nicht konservativ sein, um im Dienst an der Gemeinschaft einen Sinn auszumachen. Deshalb sollten sich auch andere Parteien offen zeigen für den Gedanken einer allgemeinen Dienstpflicht, wie ihn die Union diskutiert.

Eine Grundgesetzänderung dazu auf den Weg zu bringen – warum nicht? 

Viele junge Menschen haben in unserer Wohlstandsgesellschaft ein Anspruchsdenken entwickelt, das nur mehr die unmittelbare Wunscherfüllung kennt. Leistungen des Staates nehmen wir Bürger als selbstverständlich hin. 

Doch zum Zusammenhalt einer Gesellschaft gehört mehr als gemeinsam am „Black Friday“ zu shoppen, sich über Wirtschafts- und Konsumkraft zu definieren oder sich hasserfüllt an Minderheiten abzuarbeiten.

Bürgerrechte und -pflichten müssen zusammengedacht werden. Dieser Gedanke ist mehr und mehr Menschen fremd. Vereinzelung und Bindungslosigkeit treiben immer neue Blüten. Eine Dienstpflicht setzte dem etwas entgegen: Gemeinsinn.

Niemand soll zum Militär gehen müssen. Niemand soll vom Staat gezwungen werden, Senioren zu pflegen. Aber die Pflicht, sich aus unterschiedlichen Möglichkeiten für eine zu entscheiden, hat etwas für sich. Denn der Dienst an der Gemeinschaft kann nicht nur die Identifikation mit derselben fördern. 

Er lehrt junge Menschen auch Verantwortungsgefühl, Sozialkompetenzen und ermöglicht ihnen, in ungewohnte Job- und Lebenswelten einzutauchen. Das weitet den Horizont. Ein verpflichtendes Dienstjahr ist also keine verlorene Zeit – es ist ein Gewinn für den Einzelnen und die Gesellschaft.


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