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25.11.2019, 19:15 Uhr KOMMENTAR

Deutschland kann sich keine Funklöcher leisten

Ein Kommentar von Marie Busse


Regionen, in denen es keinen Empfang gibt, werden abgehängt. Symbolfoto: dpa/ Inga KjerRegionen, in denen es keinen Empfang gibt, werden abgehängt. Symbolfoto: dpa/ Inga Kjer
Inga Kjer

Osnabrück. In Sachen Digitalisierung ist Deutschland bestenfalls Mittelmaß. Das ist nicht perinlich, sondern hat auch verheerende Folgen, besonders für ländliche Regionen. Ein Kommentar.

Die Begriffe „Doppelgänger“ und „Kindergarten“ sind im internationalen Sprachgebrauch bekannt. Bald könnte sich ein weiterer dazugesellen: „Funkloch“. In kaum einem anderen Industriestaat reißen mobile Telefonate so oft ab oder kommen gar nicht erst zustande. In kaum einem anderen Industriestaat ist die Internetverbindung so langsam. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigte, dass in Albanien schneller im Netz gesurft wird als in Deutschland.

Das hat verheerende Folgen, denn Menschen in dünn besiedelten Regionen sind auf die Errungenschaften der Digitalisierung angewiesen. So wird beispielsweise die Landwirtschaft immer vernetzter. Und gerade für Menschen auf dem Land bietet die Digitalisierung große Chancen: Viele könnten bei schnellem Internet und gutem Handynetz von zuhause arbeiten und müssen nicht in Städte pendeln. Auch von der Telemedizin könnten Menschen in ländlichen Regionen profitieren.

Gegenden, in denen Funkstille herrscht, verlieren zunehmend den Anschluss. Es geht nicht nur darum, dass Menschen ohne schnelles Internet auf die neuste Filmauswahl vom Streamingdienst verzichten müssen. Unternehmen haben kaum Anreize, sich anzusiedeln, wenn die digitale Infrastruktur nicht stimmt. Mal abgesehen davon, dass sie kaum Mitarbeiter finden, wenn diese als Wohn- und Lebensmittelpunkt das mit Turbointernet versorgte Dorf oder die Stadt nebenan vorziehen. Fazit: Deutschland kann sich keine Funklöcher leisten.


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