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26.11.2019, 01:25 Uhr KOMMENTAR

Mehr Chlor wagen zum Schutz vor Keimen auf Hühnerfleisch

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Trotz guter Haltung: Geflügelfleisch ist niemals zu 100 Prozent keimfrei. Foto: Michael GründelTrotz guter Haltung: Geflügelfleisch ist niemals zu 100 Prozent keimfrei. Foto: Michael Gründel
Michael Gründel

Osnabrück. Hähnchen-Frischfleisch ist stärker mit einem Durchfallerreger belastet, als es Verbrauchern lieb sein kann – eine besorgliche Tendenz. Dabei gäbe es ein wirksames Mittel dagegen.

Vielen wird es noch gut in Erinnerung sein: Bei den TTIP-Verhandlungen um Freihandel mit den USA wurde die Frage des Chlorbads von Hühnchen nach der Schlachtung von Gegnern des Abkommens zur Frage auf Leben und Tod stilisiert. Dabei tötet Chlor Keime wie Salmonellen und Campylobacter. Laut der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit sind derart behandelte Hühnchen gesundheitlich unbedenklich.  

Doch es ist wie so oft bei den Debatten im Lebensmittelbereich: Irrationalität und Ideologie vernebeln vielen Beteiligten den Blick. Ein Allheilmittel ist aber auch das Chlorbad nicht; es könnte dazu verleiten, Tierschutz- und Hygienebestimmungen Im Vorfeld des Schlachtens, also bei der Haltung, nicht mehr gar so genau zu nehmen.

Es ist richtig, wenn Verbraucherschützer mehr Hygiene in den Schlachthöfen anmahnen. Der Gesetzgeber steht in der Pflicht dafür zu sorgen und die Umsetzung zu kontrollieren. Wer dabei nicht auf Fortschritte oder gar die Einführung des Chlorbads warten will, muss im eigenen Haushalt anfangen. 

Am besten schützt man sich vor der Infektion mit Campylobacter, indem man peinlichst auf Küchenhygiene achtet. Rohes Fleisch sollte vor dem Garen immer getrennt von allen ungegarten Lebensmitteln und schon gar nicht auf demselben Brett zubereitet werden. Und immer gilt: ordentlich durchbraten.


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