Land nicht, Bund nicht, Uni nicht? Wer bleibt übrig? Land widerspricht Bund: Wer ist für Imamausbildung in Osnabrück verantwortlich?

Wer will künftig Imame in Osnabrück ausbilden? Die Meinungen über die Verantwortung für das Projekt gehen offenbar auseinander. Foto: Michael GründelWer will künftig Imame in Osnabrück ausbilden? Die Meinungen über die Verantwortung für das Projekt gehen offenbar auseinander. Foto: Michael Gründel
Michael Gründel

Osnabrück. Wer ist verantwortlich für die geplante Imamausbildung in Osnabrück? Die Meinungen gehen offenbar weit auseinander. Das Land Niedersachsen widerspricht nun dem Bund.

Vom Bund hieß es gestern: Wissenschaftler der Uni Osnabrück und Islamverbände wollten künftig in einem Pilotprojekt Imame in Osnabrück ausbilden. Die niedersächsische Darstellung hört sich anders an. Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, betonte gegenüber unserer Redaktion: „Bei den angesprochenen Projektüberlegungen handelt es sich nicht um ein Projekt in der Verantwortung der Universität Osnabrück oder des Instituts für Islamische Theologie.“ 

Das niedersächsische Ministerium gibt an, über das Projekt informiert zu sein und einen entsprechenden Trägerverein zu unterstützen. Aber: „Ob darüber hinaus eine anteilige Finanzierung des Projektes erforderlich und umsetzbar ist, wird zu gegebener Zeit zu entscheiden sein.“ Letztlich handele es sich um ein Projekt der Deutschen Islamkonferenz, die ihrerseits an das Bundesinnenministerium angedockt ist, unterstreicht das Land.

Grundsätzlich begrüße der Wissenschaftsminister das Vorhaben, heißt es in Niedersachsen. „Es ist ein mutiger und konsequenter Schritt in die richtige Richtung“, erklärte Thümler. Der geplante Trägerverein plane, anzuschließen, wo das Studium aufhöre. Man erwarte einen Impuls in der praktischen Ausbildung von Imamen und von religiösem Betreuungspersonal in Moscheegemeinden. „Mit einer solchen zweiten Ausbildungsphase würde den Absolventinnen und Absolventen deutschsprachiger islamtheologischer Studiengänge an Hochschulen, darunter auch denen der Universität Osnabrück, ermöglicht, sich auf die Gemeindearbeit im deutschen Kontext explizit vorzubereiten“, schloss der Minister.

Das Bundesinnenministerium betonte dagegen erneut, islamische Theologen der Uni Osnabrück und islamische Dachverbände hätten das Projekt initiiert. Die Ausbildung und der Einsatz religiösen Personals bleibe „aus verfassungsrechtlichen Gründen eine Angelegenheit der religiösen Gemeinschaften.“ Eine staatliche Regelung für die Imamausbildung könne und werde es nicht geben. Vielmehr gehe es um die Erprobung von Wegen, auf denen Staat und religiöse Gemeinschaften kooperieren könnten.

Wie das Land will auch der Bund sich nicht festlegen, wieviel Geld in das Projekt investiert wird. Das „hängt von einer Reihe von Faktoren ab“, teilte das Bundesinnenministerium mit – unter anderem von der Gründung des Trägervereins und dem entsprechenden Projektantrag.


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