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17.11.2019, 08:07 Uhr KOMMENTAR

Grüne Glücksgefühle - folgt jetzt das Kanzleramt?

Ein Kommentar von Burkhard Ewert


Sie führen die Grünen zwei weitere Jahre: Annalena Baerbock und Robert Habeck nach ihrer triumphalen Wiederwahl in Bielefeld. Foto: dpa/Guido KirchnerSie führen die Grünen zwei weitere Jahre: Annalena Baerbock und Robert Habeck nach ihrer triumphalen Wiederwahl in Bielefeld. Foto: dpa/Guido Kirchner

Bielefeld. Es ist ein bisschen verrückt: Während andere Parteien sich quälen, haben die Grünen mit Robert Habeck und Annalena Baerbock gleich zwei Topleute an ihrer Spitze. Schon bald werden sie die beiden allerdings auch dringend brauchen.

Was haben die Grünen doch für ein Luxusproblem. Während Annegret Kramp-Karrenbauer die CDU entgleitet und sich die SPD seit Jahren müht, eine halbwegs beliebte Person von Format für den Vorsitz zu finden, hat die Ökopartei gleich zwei fähige Topleute, die beim jetzigen Parteitag in Bielefeld beide abermals überzeugten. 

Robert Habeck hatte zuletzt gemerkt, dass Charme alleine nicht mehr reicht. Keine Ahnung von der Pendlerpauschale zu haben, wiegt schwer für jemanden, der sie den Leuten kürzen will, allein aus Prinzip, wie durch so etwas offenkundig wird. Der Fehler war ein Alarmsignal. Folgerichtig arbeitete das Nordlicht hart an seinem Auftritt auf dem Delegiertentreffen und präsentierte sich so gut wie lange nicht, wenn auch mit dem gekränkten Hinweis, welchen Druck es bedeute, permanent mit jemandem verglichen zu werden.

Gemeint war Annalena Baerbock. Vor zwei Jahren kannte seine Co-Vorsitzende noch kaum jemand. In der Zwischenzeit machte die 38-Jährige klar, dass sie das ändern kann. Damals nur knapp und per Kampfkandidatur ins Amt gelangt, baute sie strategisch ihr Netzwerk aus, innerhalb der Partei ebenso wie unter den Berliner Medienleuten. Der Lohn: Mit einem so überraschenden wie herausragenden Resultat von mehr als 97 Prozent überflügelte sie Habeck, obwohl er so gekämpft hatte. 

Sah Bielefeld eine kommende Kanzlerkandidatin? 

Vorher aber muss das Duo zeigen, wie gut es ohne Fukushima- und Greta-Effekt ist. Wer beim Klimaschutz die Wissenschaft beschwört, bei Gentechnik, Homöopathie oder Elektromobilität aber dem Glauben zugeneigt bleibt, hat ein Problem. Auch entsteht wieder ein Riss zwischen Stadt- und Landgrünen, wenn sich weltfremder Rigorismus zunehmend Bahn zu brechen beginnt. Osnabrücks Landrätin Anna Kebschull legte den Finger mutig in die Wunde. Ob sie Gehör fand bei den Delegierten aus Berlin Mitte? Vieles spricht vorerst nicht dafür. Zumindest die Vorsitzenden sollten ihre Worte beachten. 

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