Arbeitslosigkeit Zwei von drei Menschen ohne Job sind auf Hartz-IV angewiesen

Zwei von drei Arbeitslosen sind auf Hartz-IV angewiesen.
Foto: Julian Stratenschulte / dpaZwei von drei Arbeitslosen sind auf Hartz-IV angewiesen. Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin. Wer seinen Job verliert, hat in der Regel Anspruch auf Arbeitslosengeld und damit auf mindestens 60 Prozent seines letzten Nettogehaltes. Schließlich hat man während der Beschäftigungszeit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Tatsächlich profitiert aber nur einer von drei Arbeitslosen davon.

Die übrigen zwei Drittel sind auf deutlich niedrigere Hartz-IV-Sätze angewiesen. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die die Linken-Fraktion ausgewertet hat. 

Demnach wurden vergangenes Jahr 65,7 Prozent der Erwerbslosen - 1.538.153 Menschen - im Hartz-IV-System betreut, und nur 34,3 Prozent (801.929) von den Agenturen für Arbeit. In Ostdeutschland waren sogar 69,9 Prozent im Hartz-IV-Bezug gegenüber 64,4 Prozent in Westdeutschland. Im Oktober 2019 lag der Anteil bundesweit bei 63,9 Prozent.

Arbeitslosengeld gibt es für zwölf Monate, ab 50 Jahren können es bis zu 24 Monate werden. Ohne neuen Job rutscht der oder die Betroffenen also spätestens nach zwei Jahren in Hartz IV ab. 

Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann fordert, Arbeitslosengeld drei Jahre lang auszuzahlen. Foto: Monika Skolimowska / dpa

Den niedrigsten Anteil von Erwerbslosen, die auf Hartz IV angewiesen waren, hatte im Jahr 2018 Bayern mit 46,9 Prozent. In Niedersachsen waren es 66,2 Prozent, in Schleswig-Holstein 65,7, in Mecklenburg-Vorpommern 67,7 und in NRW 71,6. Trauriges Schlusslicht der Statistik ist Bremen mit 77 Prozent, dort bezieht also nur jeder vierte Arbeitslose Arbeitslosengeld. Von Erwerbslosen ohne Berufsausbildung befanden sich bundesweit im vergangenen Jahr 80,9 Prozent im Hartz-IV-Bezug, in Ostdeutschland sogar 85,6 Prozent.

Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann forderte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Betreuung von Erwerbslosen im Bereich der Arbeitslosenversicherung muss von der Ausnahme wieder zur Regel werden!" Angesichts der massiven Rücklagen der Bundesarbeitsagentur sei es geboten, die maximale Bezugsdauer von Arbeitslosengeld von zwei auf drei Jahre zu verlängern. Anschließend müsse es ein "Arbeitslosengeld Plus" in Höhe von 58 Prozent des Gehaltes vor dem Jobverlust geben.


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