Nach mehreren Stürzen Sorge um früheren US-Präsidenten: Jimmy Carter unterzieht sich Operation am Kopf

Von dpa, afp, KNA

Jimmy Carter und Helmut Schmidt (r.) vor dem Weißen Haus in Washington – im März 1980. Foto: dpa/Martin AthenstädtJimmy Carter und Helmut Schmidt (r.) vor dem Weißen Haus in Washington – im März 1980. Foto: dpa/Martin Athenstädt
dpa/Martin Athenstädt

Atlanta. Jimmy Carter ist der älteste noch lebende ehemalige Präsident der USA. Nun hat er einen operativen Eingriff zur Verringerung des Hirndrucks ohne Komplikationen überstanden.

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter hat eine Operation wegen einer Blutung im Schädel überstanden. Es habe keine Komplikationen gegeben, teilte Carters Stiftung in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia am Dienstag nach dem Eingriff am Morgen mit. Der 95-Jährige war am Montagabend (Ortszeit) zur Behandlung in eine Universitätsklinik in Atlanta gebracht worden. Die Blutung hatte sich nach mehreren Stürzen entwickelt und drückte auf das Gehirn. Carter werde so lange wie nötig zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben, hieß es in der Mitteilung. 

Unter anderem zog sich Carter einen Beckenbruch zu, wegen dem er bereits drei Tage im Krankenhaus behandelt wurde. Zudem verletzte er sich bei einem Sturz Anfang Oktober am Kopf. Am nächsten Tag erschien er zu einem Termin der wohltätigen Organisation Habitat for Humanity mit einem blauen Auge und einem Verband. 2015 unterzog sich Carter wegen eines Krebstumors im Gehirn einer Strahlenbehandlung. 

Präsident von 1977 bis 1981 

Carter erbte von seinen Eltern eine Erdnussfarm in Plains , besuchte die renommierte Marineakademie in Annapolis und wurde Offizier der US Navy, in der er unter anderem auf Atom-U-Booten diente. Als die Erdnüsse endlich Gewinn abwarfen, begann Carter seine recht dünne politische Karriere. Eine Amtszeit als Gouverneur von Georgia (1971-1975) war der Höhepunkt. Sein Selbstbewusstsein war indes ausgeprägt genug, um noch vor deren Ende seine Kandidatur für die Präsidentschaft zu verkünden. 

Längst ist es Legende, wie oft ihm bei seinen Reisen durch die USA auf öffentliche Erklärungen, er möchte Präsident werden, die Frage entgegenschlug: "Präsident von was?" Der im Land weitgehend Unbekannte schaffte es, Kandidat der Demokraten zu werden und 1976 den Republikaner Gerald Ford abzulösen.

Jimmy Carter hatte sich sich bei einem Sturz Anfang Oktober am Kopf verletzt. Foto: dpa/AP/Mark Humphrey

Die Präsidentschaft Carters gilt bei Historikern weitgehend als eine der schlechteren. Seinem großen Erfolg, den Friedensschluss von Camp David zwischen Israel und Ägypten vermittelt zu haben, stehen eine Reihe von Rückschlägen gegenüber, zu denen Carters Neigung zum Mikromanagement - der Präsident organisierte unter anderem die Benutzung der Tennisplätze im Weißen Haus - einen Teil beitrug. Zur Katastrophe für ihn wurde die Demütigung der USA durch die Geiselnahme amerikanischer Diplomaten in Teheran im November 1979, die über 14 Monate, bis zu Carters letztem Tag im Amt, andauerte. 

Niederlage gegen Ronald Reagan

Carter ließ in den Augen seiner meisten Landsleute Führungsstärke vermissen, das von ihm in einer Fernsehansprache benutzte Wort "Malaise" schien seine Regierung trefflich zu charakterisieren. Im November 1980 verlor er in einer erdrutschartigen Niederlage gegen Ronald Reagan, was ihn und seine ehrgeizige Frau Rosalynn erkennbar schmerzte. Es bleibt unübersehbar, dass Carter seit dem Ausscheiden aus dem Amt kaum eine Gelegenheit verstreichen lässt, um sein Renommee vor der Gegenwart und vor allem der Geschichte zu verbessern - durch Teilnahme an vielfältigen humanitären Projekten wie "Habitat for Humanity" und als manchmal selbsternannter Vermittler in internationalen Krisen.

Der Friedensnobelpreis 2002 war der höchste Lohn der Mühe; der gute Mensch von Plains ist indes auch ein Glückspilz. Seine Krebserkrankung gilt als geheilt - und unter allen US-Präsidenten hält er einen vielleicht kaum noch erreichbaren Rekord an Langlebigkeit.


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