Gaffern geht es an den Kragen Für Fotos von Unfall-Toten und unter Röcke droht bald Gefängnis

Gaffer filmen einen Verkehrsunfall. Für Bilder von Todesopfern drohen bald Haftstrafen.
Foto: Imago ImagesGaffer filmen einen Verkehrsunfall. Für Bilder von Todesopfern drohen bald Haftstrafen. Foto: Imago Images
imago images / 7aktuell

Berlin. Es ist gefährlich und entwürdigend: Immer mehr Gaffer fotografieren Unfall-Todesopfer oder filmen Frauen unter Rock und Kleid. Im Netzt ergötzen sich Menschen an den Aufnahmen. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) stellt beides unter Strafe. An diesem Mittwoch geht ihr Gesetz ins Kabinett.

"Es ist eine widerliche Entwicklung, dass Menschen, die bei Verkehrsunfällen zu Tode gekommen sind, fotografiert werden und die Bilder im Netz verbreitet werden. Das ist auch für die Angehörigen eine unerträgliche Situation", begründete Lambrecht im Gespräch mit unserer Redaktion ihren Vorstoß. "Früher galt: So etwas macht man nicht! Heute wird es gemacht. Das nehmen wir nicht hin."

Das Problem: Für Tote gilt bisher der Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht. Mit ihrem Gesetz schließt Lambrecht diese Lücke. "Die neuen Strafen - Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe - sollen Nachahmer abschrecken", machte die SPD-Politikerin klar.

Nennt Gaffer-Fotos "eine widerliche Entwicklung": Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Foto: Tobias Schwarz / AFP

Unfall-Fotos sind nicht nur entwürdigend, sondern oft auch gefährlich. Vor einem halben Jahr kam auf der A6 in Bayern ein 47-jähriger LKW-Fahrer ums Leben. Die Retter wurden von Schaulustigen gestört, die die Leiche filmten. Auch auf der Gegenfahrbahn kam es wegen unzähliger Gaffer zum Stau.

"Es handelt sich um Personen, die ihr Leben gelassen haben. Es ist mir unbegreiflich, wie sich Menschen an Bildern davon ergötzen können. Hier wünsche ich mir auch mehr Mitgefühl in der Gesellschaft", sagte Justizministerin Lambrecht. "Dass diejenigen, die die Fotos ins Netz stellen, dafür auch noch mit Likes oder Kommentaren belohnt werden, ist einfach nur gruselig. Jedem, der sich diese Bilder anschaut, muss doch bewusst sein, was er den Angehörigen damit antut."

Wer Frauen heimlich unter Röcke fotografiert, muss künftig bis zu zwei Jahren ins Gefängnis. Foto: Jane Barlow / dpa

Gefängnis bis zu zwei Jahren droht bald auch Menschen, die heimlich unter Rock und Kleid fotografieren oder filmen und die Aufnahmen verbreiten. "Auch das sogenannte Upskirting ist demütigend und verletzend. Dem dürfen wir nicht länger zuschauen", sagte Lambrecht. "Es trifft Frauen sehr, wenn sie zu Objekten degradiert werden."

Auch hier schließt die Justizministerin eine Gesetzeslücke, denn als Nötigung oder sexuelle Belästigung ist "Upskirting" nicht zu ahnden, weil die Frauen es meist nicht bemerken, wenn sie heimlich gefilmt werden und der Täter sie nicht berührt. "Zahllose Betroffene haben sich an mich gewandt."

Die Ministerin hofft, das Gesetz werde nach dem grünen Licht des Kabinetts auch rasch vom Parlament verabschiedet.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN