Von Betriebsrenten bleibt mehr übrig Abzüge sinken ab Januar um rund 300 Euro pro Jahr

Von Betriebsrenten bleibt schon bald deutlich mehr im Portemonnaie. 
Foto: dpaVon Betriebsrenten bleibt schon bald deutlich mehr im Portemonnaie. Foto: dpa

Berlin. Ein Großteil der 17,4 Millionen Betriebsrentner kann sich ab Januar über teils deutlich sinkende Abzüge freuen. Im Windschatten der Grundrenten-Einigung beschloss die Große Koalition, die Krankenkassenbeiträge neu zu berechnen und die Bürger um 1,2 Milliarden Euro jährlich zu entlasten.

An diesem Montag gab Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Gesetzentwurf in die Ressort-Abstimmung, bereits am kommenden Montag soll er durchs Kabinett.

„Wir wollen das Vertrauen in die betriebliche Altersvorsorge stärken. Wer fürs Alter vorsorgt, darf nicht der Gekniffene sein", sagte Spahn am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. "Daher setzen wir die Senkung der Kassenbeiträge zur Betriebsrente nun zügig zum 01.01.2020 um." Rund 300 Euro weniger pro Jahr stellt Spahn in Aussicht.

Bislang gilt eine Freigrenze. Wer Betriebsrenten bis zu 155,75 Euro monatlich bezieht, muss keine Krankenkassenbeiträge zahlen. Bei allen höheren Betriebsrenten werden seit 2004 auf die kompletten Bezüge 15,6 Prozent fällig, weil Rentner sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberbeitrag stemmen müssen. 

Weil von den Betriebsrenten nicht nur beim Ansparen, sondern auch bei der Auszahlung Krankenkassenbeiträge abgezwackt werden, wird von "Doppel-Verbeitragung" gesprochen. Seit Jahren wurde über eine Ausweg gestritten.

"Alle haben was davon" - Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU, links), im Gespräch mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Foto: John MacDougall / AFP

Der Kompromiss: Aus der Freigrenze wird nun ein Freibetrag, der komplett beitragsfrei bleibt. Spahn schlägt in seinem Gesetzentwurf, der unserer Redaktion vorliegt, eine Höhe von 159 Euro vor. Wer eine Betriebsrente von 159 Euro bezieht, zahlt dafür bisher 24,80 Euro pro Monat an die Krankenkasse. Ab 1. Januar 2020 würde er nichts mehr zahlen.

Laut Spahn bleibt künftig ein Drittel der Betriebsrentner mit kleinen Betriebsrenten vollständig beitragsfrei. Ein weiteres knappes Drittel zahle künftig maximal den halben Beitrag, und das gute Drittel mit höheren Betriebsrenten werde auch entlastet. "Alle Betriebsrentner haben also was davon", verspricht Spahn. "Das ist auch ein wichtiges Signal für die junge Generation: Es lohnt sich, privat vorzusorgen."

Was bleibt wem unter dem Strich mehr? Von einer Betriebsrente von 200 Euro werden bislang 31,20 Euro Kassenbeiträge abgezogen. Ab kommenden Jahr sollen nur noch die Bezüge oberhalb von 159 Euro verbeitragt werden, das wären 41 Euro. Der Beitrag sänke somit auf 6,39 Euro, macht eine Entlastung von 24,81 Euro pro Monat und 297,72 Euro pro Jahr.

Von 400 Euro Betriebsrente gehen zur Zeit noch 62,40 Euro an die Kassen. Ab Januar wären es nur noch 37,59 Euro. Von der Umstellung profitieren auch diejenigen, die sich ihre Betriebsrente auf einen Schlag auszahlen lassen: Für sie wird ein fiktiver monatlicher Bezug berechnet und der Freibetrag entsprechend davon abgezogen.

Den Krankenkassen entgeht dadurch jährlich rund 1,2 Milliarden Euro an Beitragseinnahmen, wie das Gesundheitsministerium errechnet hat. Obwohl einige Kassen im ersten Quartal des Jahre in die roten Zahlen gerutscht sind, sollen sie die Ausfälle auf Dauer selbst ausgleichen. Im kommenden Jahr übernimmt der Gesundheitsfonds die Mindereinnahmen noch komplett. Bis 2023 sollen die Zuschüsse auf 300 Millionen Euro gesenkt werden.


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