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10.11.2019, 17:40 Uhr KOMMENTAR

Türkei will IS-Kämpfer nach Deutschland zurückschicken: Richtig so

Ein Kommentar von Melanie Heike Schmidt


Schon mehrfach hatte Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, Europa dafür kritisiert, sein Land mit dem Problem der festgesetzten IS-Kämpfer allein zu lassen. Nun will er sie zurückschicken in ihre Heimatländer, auch nach Deutschland. Foto: Burhan Ozbilici/AP/dpaSchon mehrfach hatte Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, Europa dafür kritisiert, sein Land mit dem Problem der festgesetzten IS-Kämpfer allein zu lassen. Nun will er sie zurückschicken in ihre Heimatländer, auch nach Deutschland. Foto: Burhan Ozbilici/AP/dpa

Osnabrück. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan droht damit, gefangene IS-Kämpfer in ihre Heimatländer zurückzuschicken, darunter 20 nach Deutschland. Das klingt nach Erpressung. Doch kann es sein, dass der viel kritisierte Erdogan in diesem Fall tatsächlich richtig liegt? Ein Kommentar.

Ja, es ist Erpressung, was Recep Tayyip Erdogan da macht: Unzufrieden mit den Reaktionen auf den Einmarsch in Nordsyrien und dem nur leidlich funktionierendem EU-Flüchtlingspakt, setzt er festgesetzte IS-Kämpfer als Druckmittel ein – frei nach dem Motto: Tanzt Ihr nicht nach meiner Pfeife, schicke ich Euch die Terroristen zurück. Das kann man ungeheuerlich finden. Tatsächlich hat der türkische Präsident nicht unrecht.

Mehrfach forderte er stärkere Unterstützung beim Umgang mit den Gefangenen, ohne Erfolg. Stattdessen beschlossen Dänemark und Deutschland eilig, den Kämpfern die Staatsbürgerschaft zu entziehen, auf dass sie formal kein Heimatland mehr hätten. Ein schäbiger Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Klar ist: Der Abzug der US-Truppen in Syrien hat eine Kettenreaktion ausgelöst: Die Türken marschierten ein, Kurden, die die Gefängnisse mit IS-Anhängern bewachten, zogen ab, Insassen flohen. Unschuldig an der Situation ist Ankara also nicht.

Dass sich Deutschland nun aber um jene Bürger, die einst auszogen, um für den IS zu kämpfen, wieder selbst kümmert, ist dennoch richtig. Diese Menschen stammen von hier, also müssen wir sie zurücknehmen. Doch damit ist es nicht getan. Täter müssen bestraft werden, auch eine Deradikaliserung ist zwingend notwendig. Das wird nicht leicht. Doch sich wegzuducken, ist keine Lösung.


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