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09.11.2019, 01:00 Uhr KOLUMNE

Checkpoint Charlie: Falsche Soldaten müssen gehen

Von Beate Tenfelde


So sah es am 10. November 1989 am Checkpoint Charlie aus: Eine Fahrzeugkolonne aus dem Osten schob  sich in Richtung West-Berlin vorbei am Grenzübergang. Foto: dpaSo sah es am 10. November 1989 am Checkpoint Charlie aus: Eine Fahrzeugkolonne aus dem Osten schob sich in Richtung West-Berlin vorbei am Grenzübergang. Foto: dpa

Berlin . Am Checkpoint Charlie standen sich im Kalten Krieg russische und US-amerikanische Panzer schussbereit direkt gegenüber. Doch was ist aus diesem legendären Ort im Herzen Berlins geworden: ein Rummelplatz!

In Heerscharen ziehen Touristen an den früheren Grenzübergang zwischen Ost und West, der noch immer mit Sandsäcken verbarrikadiert ist - früher zum Schutz vor Kugeln, heute zur Dekoration. Vom Hauch der Geschichte ist nur noch wenig zu spüren. Denn leider ist der Checkpoint Charlie zum Schauplatz von unwürdiger Geschäftemacherei verkommen. Soldaten-Darsteller, die dort posieren und von Touristen Geld für Fotos verlangen, wurden über Jahre geduldet. 

Jetzt aber - pünktlich zum Mauerfalljubiläum - setzte das zuständige Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain dem Treiben ein Ende. Die Passanten seien gedrängt beziehungsweise „regelrecht genötigt" worden, am Kontrollhäuschen für ein Bild mit den Schaustellern zu zahlen, begründete der Bezirk den Platzverweis.

Was überhaupt aus dem einstigen Kontrollpunkt für Diplomaten und Ausländer wird, ist wieder völlig ungewiss. Die Finanzverwaltung wehrt sich gegen Pläne der Bausenatorin für die Neugestaltung des Platzes. Der ist - wild zugeparkt von Reisebussen, besetzt von Hütchenspielern, Kitschhändlern und eben Historiendarstellern -  zum Schandfleck geworden.


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