Gesünder dank Smartphone-App? Kassen müssen Anwendungen erstatten - Ärzte warnen vor Risiken

"Witzig aber unbrauchbar" - Ärzte sehen das Potenzial von Gesundheits-Apps kritisch.
Foto: Michael Kappeler / dpa"Witzig aber unbrauchbar" - Ärzte sehen das Potenzial von Gesundheits-Apps kritisch. Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin. Sie helfen, Pillen einzunehmen, den Blutzucker zu überwachen oder richtig abzunehmen: Abertausende Medizin-Apps lassen sich auf dem Smartphone installieren und verheißen ein gesünderes Leben. Der Bundestag beschloss am Donnerstag, dass Krankenkassen Handy-Anwendungen erstatten müssen. Ärzte sind skeptisch.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der das Digitale-Versorgungs-Gesetz geschrieben hat, feiert sich als Vorreiter: "Wir werden das erste Land sein, dass solche Apps bezahlt", sagte er vor der Abstimmung am Nachmittag. Die Smartphone-Anwendungen "helfen Menschen mit Rückenschmerzen, Patienten mit Brustkrebs oder Frauen in der Schwangerschaft. Sie machen einen Unterschied im Alltag!"

Treibt die Digitalisierung der Medizin voran: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Foto: Felix Zahn / Imago Images

Dass manche solcher "Helfer aus der Hosentasche" praktisch sind, daran gibt es wenig Zweifel. So gibt es Apps, die die korrekte Einnahme von Medikamenten kinderleicht machen - wenn man sie zu bedienen weiß. Da liegt eines der Probleme. Gerade ältere Menschen seien nicht unbedingt Smartphone-Experten, warnte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Werde zu stark und zu schnell auf digitale Unterstützung gesetzt, drohe "eine Art Zwei-Klassen-Versorgung".

Damit die Kasse die App zunächst ein Jahr lang zahlt, muss sie von einem Arzt verschrieben werden. Zuvor prüft das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, ob die Anwendung datensicher und wirklich hilfreich ist. Für eine dauerhafte Erstattung müssen die App-Anbieter binnen eines Jahres nachweisen, dass sie die Versorgung der Patienten verbessert.

Fordert "harte Kriterien" für die Erstattung von Gesundheits-Apps: Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Andreas Gassen, Präsident der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), bremst die App-Euphorie. "Viele so genannte Gesundheits-Anwendungen sind zwar witzig, aber unbrauchbar", sagte er auf Nachfrage unserer Redaktion. Gassen fordert "harte Kriterien" für die Bewertung der Apps. Eine Erstattung dürfe es nur geben, wenn ein medizinischer Sinn nachgewiesen werde.

Ein Großteil der Anwendungen ist nach wie vor kostenlos. Experten warnen aber davor, dass deren Anbieter versuchen, ihr Geld mit der Weitergabe von Nutzerdaten zu machen. Aufhalten lässt sich der Trend zur Gesundheits-App kaum. Laut einer am Donnerstag von der KBV vorgestellten Umfrage gaben zwei von drei Ärzten an, dass Patienten mit Daten aus solchen Anwendungen in die Praxen kommen und mit ihren Ärzten darüber sprechen wollen.


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