Pompeo als Präsidenten-Flüsterer Fremde Freunde: Warum nur kann Merkel Trump nicht mögen?

Start in Mödlareuth: US-Außenminister Mike Pompeo  (rechts) und Bundesaußenminister Heiko Maas (Mitte)  besuchten   das Dorf mit nur knapp 50 Einwohnern, durch das bis 1989 die innerdeutsche Grenze verlief. Foto CDOUGALL / AFP)Start in Mödlareuth: US-Außenminister Mike Pompeo (rechts) und Bundesaußenminister Heiko Maas (Mitte) besuchten das Dorf mit nur knapp 50 Einwohnern, durch das bis 1989 die innerdeutsche Grenze verlief. Foto CDOUGALL / AFP)

Berlin. US-Außenminister Mike Pompeo besucht Deutschland - es ist eine Visite von besonderer Bedeutung: Die Beziehungen sind abgekühlt . Ist das zu heilen?

Großartige Bilder – die gehörten unbedingt dazu, wenn der damalige US-Präsident Barack Obama nach Berlin kam. An der Siegessäule feierten ihn über 200 000 Menschen. Er wiederum pries seine „wunderbare Freundin Angela“. Und heute?

Donald Trump, seit 2017 Herr im Weißen Haus, zeigt der deutschen Hauptstadt bislang die kalte Schulter. Immerhin schickt er jetzt seinen Außenminister Michael Pompeo zur Kanzlerin. Aber der ist ein fremder Freund. Dabei wäre es höchste Zeit, dass die erkaltete Liebe zwischen Amerikanern und Deutschen wieder zum Glühen kommt.

Zumindest die gemeinsame Erinnerung an den Mauerfall vor 30 Jahren wärmt die Stimmung, wenn Pompeo an diesem Freitag Angela Merkel im Kanzleramt trifft. Der heutige Außenminister war als Soldat der Vereinigten Staaten an der innerdeutschen Grenze stationiert. Seine Visite in den US-Standorten in Grafenwöhr und Vilseck in der Oberpfalz ist also nicht nur Truppenbesuch, sondern auch Pompeos sehr persönliche Reise an seinen Einsatzort im Kalten Krieg. Es gibt also durchaus etwas zu reden mit dem Gast aus den USA.

Europas alte Garde?

Warum nur kann Merkel den US-Präsidenten und seinen Minister nicht mögen? Der Hauptgrund: Beide machen aus ihrer Aversion gegen "die alte Garde Europas" keinen Hehl. Aus Berliner Sicht dagegen ist es kaum vorstellbar, die transatlantischen Bande reißen zu lassen: Nur mit amerikanischer Hilfe hat Deutschland nach 1945 wieder Fuß gefasst, für die Wiedervereinigung haben die USA ebenfalls den Weg geebnet. Für die deutschen Gastgeber ist es in der angespannten Lage äußerst hilfreich, dass Pompeo als Trump-Versteher und Trump-Erklärer gilt. Seine Reden enthalten nach Angaben von deutschen Korrespondenten oft den Satz: „Dies ist es, was Präsident Trump machen will."

Zu Deutschland fällt dem aktuellen Präsidenten allerdings selten etwas Positives ein: Mal beschwert sich Trump, dass Deutschland sich auf Kosten der USA bereichere – Stichwort Export-Überschuss. Oder er verlangt höhere Verteidigungsausgaben – Stichwort Zwei-Prozent-Ziel. Wenn Trump mit Merkel zusammentrifft, wurde es oft regelrecht peinlich: Mal gab er ihr die Hand nur widerwillig, wie im Frühjahr 2017 im Weißen Haus. Mal gar nicht, wie in diesem Sommer am Rande der D-Day-Gedenkfeier in Großbritannien.

Lorbeerkranz von Obama

Trumps einziger offizieller Besuch in Deutschland als US-Präsident fand im Rahmen des G-20-Gipfels in Hamburg statt. Das ist kein Zufall, sagen politische Beobachter: „Trump ist jemand, der nicht an traditionelle Diplomatie glaubt. Wenn er ein Land nicht mag, dann fährt er nicht hin." Einer von vielen Gründen für seine Abneigung: Trump kann mit der deutschen Umweltpolitik überhaupt nichts anfangen – die USA haben gerade den Ausstieg aus den internationalen Klimazielen vollzogen.

Trumps Vorgänger dagegen hatte der Kanzlerin einen Lorbeerkranz gewunden: Sie sei die einzige Regierungschefin, die noch die westlichen Werte verteidige und müsse für den Multilateralismus kämpfen, sagte Obama beim „Bye, bye“ in Berlin. „Einer allein kann es nicht schaffen“, hielt Merkel dagegen. Es war eine hellsichtige Prognose: Heute ist die EU uneinig, ein schwacher Konterpart zu den USA, die unter Trump das Interesse an Europa verloren haben.

„American Dream“

Erst ganz zuletzt begriffen viele Europäer, was sie an Obama hatten. Der war oft ein ziemlich kühler Kompagnon: Sehr lässig spielte er etwa die schamlosen Abhöraktionen der US-Geheimdienste herunter, und besonders wegen seiner hilflosen Syrien-Politik hat er enttäuschtt. Aber selbst als sich Obama Richtung Asien öffnete, blieben die Europäer für ihn zentrale Partner. Mit Trump folgte ihm ein instinktgesteuerter Geschäftsmann, dessen „America first“ Ausdruck eines knallharten Nationalismus ist. Trumps Ansatz ist der Gegenentwurf zu Merkels Politikstil, „immer auch an die anderen zu denken“.

Merkel wiederum hat ganz persönlich eine besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten. Für die in der DDR aufgewachsene Physikerin waren die USA ein Sehnsuchtsland, wie sie im Interview mit „Spiegel online“ bestätigte. „Meine erste weite Reise wollte ich nach Amerika machen. Wegen der Größe, der Vielfalt, der Kultur. Die Rocky Mountains sehen, mit dem Auto herumfahren und Bruce Springsteen hören – das war mein Traum“, gab sie Einblick in alte Wünsche. Der „American Dream“ der Kanzlerin könnte  beim Gespräch mit Pompeo ein guter Anknüpfungspunkt sein.


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