Wahlerfolg nach Kündigung Juli Briskman: Wie der Trump-Stinkefinger ihr den Weg in die Politik ebnete

Dieses Foto machte Juli Briskman berühmt. Foto: afp/Brendan SmialowskiDieses Foto machte Juli Briskman berühmt. Foto: afp/Brendan Smialowski

Washington. Während einer samstäglichen Fahrradtour machte Juli Briskman vor zwei Jahren ihrem Ärger über Donald Trump Luft. Nun ist die Amerikanerin selbst Politikerin.

Das Bild ihres spontanen Protestes ging vor zwei Jahren um die Welt: Juli Briskman hatte dem Konvoi von US-Präsident Donald Trump den erhobenen Mittelfinger gezeigt. Dafür bekam die Hobbyradfahrerin weltweit Applaus – doch nicht von ihrem Arbeitgeber. Wegen angeblicher Imageschäden für das Unternehmen kündigte dieser Briskmans Vertrag, die alleinerziehende Mutter stand plötzlich ohne Job da. Nun, zwei Jahre nach dem Vorfall, der die mittlerweile 52-Jährige berühmt machte, hat sie einen ersten politischen Erfolg zu verbuchen – der irgendwann vielleicht auch zu einem Wiedersehen mit dem US-Präsidenten führen wird. 

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Denn während ihre spontane Reaktion auf Trump das Ende ihrer Karriere bei einem Bauunternehmen – das übrigens auch für die Regierung arbeitete – bedeutete, war sie gleichzeitig auch der Startschuss für Briskmans neues Leben als Politikerin. Die Demokraten hatten sie nach dem Verlust ihres Jobs aufgefordert, sich in der Partei zu engagieren. Briskman ist für viele ihrer Anhänger eines der berühmtesten Beispiele für Frauen überall in den USA, die Trumps sexistisches Verhalten seit seinem Amtsantritt aus den Vorstädten in die Politik getrieben hat. 

Juli Briskman während des Wahlkampfes im Oktober 2019. Foto: afp/Brendan Smialowski

Für die demokratische Partei triumphierte sie nun bei einer Lokalwahl im Bundesstaat Virginia und errang einen Sitz im sogenannten County Board of Supervisors von Loudon. Das Gremium steuert große Teile der Politik in dem Bezirk nahe der Hauptstadt Washington. Loudoun County ist der wohlhabendste Verwaltungsbezirk der USA. Mit 52 Prozent der Stimmen jagte Briskman ihren republikanischen Vorgänger aus dem Amt. Ein wahrer Überraschungserfolg für eine Frau, die aus der Not heraus in die Politik ging.

Ihr ungewöhnlicher Weg in die Politik

"Ich bin wütend darüber, wie es um unser Land steht. Ich bin schockiert. Es war eine Möglichkeit, etwas zu sagen", erklärte Briskman vor zwei Jahren ihren gereckten Stinkefinger gegenüber der "Huffington Post". Nach der Kündigung wurde sie zur Gallionsfigur des Widerstandes gegen Trump. Spendenaktionen zu ihren Gunsten erwirtschafteten mehrere zehntausend Dollar, in den Sozialen Netzwerken explodierten ihre Followerzahlen.

Ihr neuer Posten könnte nun auch zu einem Treffen mit dem von ihr kritisiertem Präsidenten führen: In Loudon County liegt nämlich einer von Trumps Golfclubs, den der Präsident regelmäßig am Wochenende besucht, so auch an dem Samstag im Oktober 2017, als das nun weltberühmte Bild von Briskmans Mittelfinger entstand. Angeblich wurden in genau diesem Golfclub zu Unrecht einige Bäume gefällt. Eine Angelegenheit, die die Neu-Politikerin nun aufgrund ihres neuen Amtes untersuchen muss. "Ist das nicht süße Gerechtigkeit?" kommentierte Briskman diesen Zufall in einem Interview mit der "Washington Post".

(mit afp)


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