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Sitzung unterbrochen Notfall im Bundestag: CDU-Politiker erleidet Schwächeanfall während Rede

Von dpa, cst

Der CDU-Bundestagsabgeordneter Matthias Hauer hat am Donnerstag einen Schwächeanfall im Bundestag erlitten. Foto: imago images/Sven SimonDer CDU-Bundestagsabgeordneter Matthias Hauer hat am Donnerstag einen Schwächeanfall im Bundestag erlitten. Foto: imago images/Sven Simon

Berlin. Der Union-Politiker Matthias Hauer hat während einer Rede im Bundestag einen Schwächeanfall erlitten. Die Sitzung am 7. November 2019 wurde daraufhin unterbrochen.

Die heutige Bundestagssitzung musste um kurz nach 10 Uhr unterbrochen werden. Der nordrhein-westfälische Christdemokrat Matthias Hauer hatte einen Schwächeanfall erlitten. In der Liveübertragung aus dem Bundestag war zu sehen, wie Hauers Hände während seiner Rede zum Thema Bargeld stark zitterten. Kurz danach wirkte der Politiker abwesend und wurde bleich. Er geriet ins Schwanken. Eine Kollegin eilte zur Hilfe. Kurze Zeit später waren weitere Politiker da und stützten Hauer. Gemeinsam begleiteten sie ihn von der Bühne. 

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble unterbrach die Sitzung. Beobachter auf der Besuchertribüne und Abgeordnete verließen den Saal. Nach Bundestagsangaben wurde Hauer bereits im Parlament medizinisch versorgt. Die Zuschauertribünen wurden geräumt. 

"Voll ansprechbar"

Nach mehr als einer Stunde eröffnete Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) die Sitzung erneut. Hauer sei "voll stabilisiert" und "voll ansprechbar", berichtete er. Der CDU-Politiker sei "bei den Ärzten in guten Händen".

Eine Fraktionssprecherin sagte später, Hauer sei in einer Klinik und bedanke sich bei seinen Helfern. Weitere Informationen gab es bis zum Nachmittag nicht.

Scharfe Kritik äußerte Kubicki an Menschen, die Bilder und Videos von Hauers Schwächeanfall im Internet verbreiteten, versehen mit "teilweise erbärmlichen Kommentaren". Er könne alle nur bitten, "aus Respekt vor der Person und vor der Würde unseres Kollegen davon Abstand zu nehmen, den Zusammenbruch zu posten, die Behandlung zu posten", sagte Kubicki unter Applaus aus allen Fraktionen. "So viel Anstand sollte vielleicht noch in unserer Gesellschaft vorherrschen."

Linke: Arbeitsbedingungen seien "unmenschlich"

Die Linken-Abgeordnete Anke Domscheit-Berg nahm den Zwischenfall zum Anlass, die Arbeitsbedingungen im Bundestag als "unmenschlich" zu kritisieren. Die Abgeordneten dürften im Plenarsaal kein Wasser trinken, schrieb sie bei Twitter. "Dehydrierung ist ungesund und behindert Denken und Konzentration." Um während der Sitzungen zu trinken oder zu essen, müssen die Politiker den Saal verlassen. Domscheit-Berg prangert diesen Bestandteil der Hausordnung schon seit Längerem an.

Ungesund sei auch die Dauer der Tagungen: An Donnerstagen in Sitzungswochen sehe die Tagesordnung Beratungen bis in den frühen Morgen vor. Dazu kämen weitere Termine, alle Tage seien sehr lang. "Ich kenne kaum Bundestagskollegen ohne chronischen Schlafmangel", schrieb Domscheit-Berg. "Wenn man gute Politik haben möchte, muss man auch gute Arbeitsbedingungen dafür schaffen."


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