"Sie trinken nur Ouzo" Ägäis-Gouverneur: Frontex kann gerne gehen

Frontex kann gerne gehen: Konstantinos Moutzouris in seinem Amtszimmer im Gouverneurspalast der Nordägäis. Foto: Burkhard EwertFrontex kann gerne gehen: Konstantinos Moutzouris in seinem Amtszimmer im Gouverneurspalast der Nordägäis. Foto: Burkhard Ewert

Mytilene. Dass die Flüchtlinge für Lesbos eine Belastung darstellen, ist bekannt. Der Gouverneur der Region Nordägäis weist nun darauf hin, dass dies nach seinem Dafürhalten auch für die Präsenz der vielen europäischen Helfer gilt. Die Frontex-Schiffe könnten genauso gut abgezogen werden.

Der neue Gouverneur der griechischen Region Nordägäis, Konstantinos Moutzouris, hat den Beamten der europäischen Grenzschutzmission Frontex schwere Vorwürfe gemacht. „Sie kommen mit alten Schiffen und machen nichts, außer dass sie Ouzo trinken“, sagte er. „Von mir aus können sie gerne wieder nach Hause fahren.“ 

Moutzouris ist seit dem 1. September Verwaltungschef der nordägäischen Inseln, zu denen die Flüchtlings-Hotspots Lesbos und Samos zählen. Der Gouverneur kritisierte auch, dass die hohe Zahl der Mitarbeiter von Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen negative Verdrängungseffekte für die einheimische Bevölkerung habe. 

"Sie blockieren Wohnungen"

Ihm zufolge handelt es sich um mindestens 2000, wenn nicht 3000 Beschäftigte ausländischer Organisationen, die wegen der Flüchtlingskrise derzeit allein auf Lesbos tätig sind. Einige erhalten beachtliche Auslandszuschläge. „Sie blockieren alle Wohnungen, sie zahlen hohe Preise.“ Studenten und andere einkommensschwache Einheimische hätten Probleme, eine Unterkunft zu finden. 

Andererseits sei er den Helfern dankbar, sagte der Gouverneur. „Einige machen gute Arbeit, wenn auch nicht alle.“ Die Versorgung der Flüchtlinge, Frontex-Kräfte und Helfer biete zudem Einkommensmöglichkeiten für die heimische Wirtschaft. Trotzdem sei die Lage eine Belastung, die die Bevölkerung nicht länger hinnehmen wolle. Selbst beim letzten Kirchgang sei er bedrängt worden, endlich dafür zu sorgen, dass die Zahl der Flüchtlinge sinke. Als weiteres Beispiel der Belastung nannte der Gouverneur das Krankenhaus von Lesbos. Auf 120 Griechen, die dort im Schnitt täglich in Behandlung seien, kämen inzwischen täglich ebenso viele Migranten, die in den Lagern Moria oder Karatepe oder andernorts auf der Insel leben. Der Unmut in der einheimischen Bevölkerung wachse. 

Schiff der Küstenwache auf Lesbos: Nach Ansicht der örtlichen Behörden können sind die Frontex-Boote nur "Search & Rescue" und seien nicht dafür ausgelegt, etwa mit Radar- und Wärmebildtechnik Schleppergruppen zu erkennen, bevor sie die griechischen Gewässer erreichen. Foto: Burkhard Ewert

Auf Lesbos und Samos leben derzeit weit mehr als 20.000 Flüchtlinge. Sie bilden fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung beider Inseln. Moutzouris äußerte sich aus Anlass eines Besuchs des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius (SPD)

Der Gouverneur war Rektor der Technischen Universität Athen, bevor er das neue Amt antrat. Er steht der regionalen zivilen Verwaltung in der nördlichen Ägäis vor, vergleichbar mit einem Regierungspräsidenten in Deutschland. Allerdings wird er direkt gewählt. Moutzouris erzielte eine Zustimmung von weit mehr als 60 Prozent. Sein Bezirk erstreckt sich über zahlreiche griechische Inseln, die in einer Ausdehnung von rund 300 Kilometern vor der türkischen Küste liegen. 

Der Commander der örtlichen Küstenwache bestätigte die Kritik des Gouverneurs an der Effektivität des Frontex-Einsatzes. „Wir brauchen Schiffe zur Frühaufklärung, mit Radar und Wärmekameras, nicht nur Boote, die auf Seenotrettung ausgelegt sind.“ Diese würde Frontex aber nicht entsenden. Auch Drohnen und Hubschrauben würden helfen. Ziel müsse es sein, dass Einwanderer gar nicht erst in Boote steigen, sondern auf der türkischen Seite im Hinterland oder während der Bereitmachung der Boote an der Küste aufgegriffen würden. Dies könne Frontex nicht leisten. 


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