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31.10.2019, 17:10 Uhr KOMMENTAR

Keine Werbung mehr bei Twitter: Nebelkerze

Ein Kommentar von Stefanie Witte


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Osnabrück. Computerbasierte Realitätsferne ist eine der größten Gefahren für die Demokratie. Leider wirkt Twitters neueste PR-Aktion persönlichen Filterblasen nicht entgegen. Die Ankündigung, künftig keine politische Werbung mehr zuzulassen, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Nebelkerze.

Das eigentliche Problem ist die Selektion, der Algorithmus, der zuteilt, wem welche Inhalte angezeigt wird. Die Währung in den Netzwerken sind Zeit und Daten. Damit Nutzer länger verweilen, werden ihnen – das haben Versuche gezeigt – tendenziell immer radikalere Inhalte gezeigt. Wollte Twitter wirklich etwas für die Demokratie tun, müsste es die Funktionsweise seiner Algorithmen offenlegen. Das aber wird nicht passieren – Geschäftsgeheimnis. 

Die Inhalte der Werbetweets bleiben ebenfalls. Der amerikanische Präsident etwa kann weiterhin ungehindert „alternative Fakten“ verbreiten. Wem das gefällt, der wird zunehmend mit Informationen, die zu diesem Weltbild passen, versorgt.

Dazu kommt, dass Twitter nicht der Hauptakteur ist. Das Netzwerk ist mit ein paar Hundert Millionen Nutzern (genaue Zahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht mehr) erheblich kleiner als Facebook mit 2,45 Milliarden Mitgliedern. Solange Mark Zuckerberg nicht mitzieht, wird sowieso alles beim Alten bleiben.


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