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29.10.2019, 16:47 Uhr CDU-FÜHRUNGSSTREIT ANGEFACHT

Späte Revanche - Merz rechnet ab mit Merkel

Ein Kommentar von Beate Tenfelde


Widersacher seit 2002: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird  vom früheren Unions-Fraktionschef Friedrich Merz  unter anderem Führungsschwäche vorgeworfen. Foto:AFPWidersacher seit 2002: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird vom früheren Unions-Fraktionschef Friedrich Merz unter anderem Führungsschwäche vorgeworfen. Foto:AFP

Berlin . Die CDU-Schlappe bei der Thüringen-Wahl hat den Machtkampf und Richtungsstreit in der Union neu entfacht. Der frühere Fraktionschef Friedrich Merz attackierte Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die „politische Führung und klare Aussagen" vermissen lasse.Ein Kommentar.

Was genau treibt Friedrich Merz? Warum begibt sich der Mann, der es als Top-Manager und Wirtschaftsanwalt in die Führungsetagen dieser Welt schaffte, plötzlich wieder in politische Niederungen– zur gnadenlosen Abrechnung mit der Kanzlerin? Einiges spricht dafür, dass hier ein zutiefst Gekränkter alte Rechnungen begleichen will. Merz kann es offenbar immer noch nicht nicht verwinden, dass Merkel ihn 2002 aus dem Amt des Unions-Fraktionschefs verdrängte. Wenn ihm dies aber so wichtig war, warum hat er damals nicht den offenen Kampf gesucht? Genau dies versäumt zu haben, scheint an Merz zu nagen. 

Instinktsicher trifft der 63-Jährige nun genau den richtigen Moment für den Angriff gegen die alte Widersacherin. Fakt ist: Hinter der CDU liegt ein desaströses Jahr – sie hat bei allen Wahlen deutlich verloren. Die Große Koalition wirkt zunehmend wie eine Selbstfindungsgruppe, ist beispielsweise in der Grundrente unfähig zu Kompromissen. Das kann und darf Merkel nicht laufen lassen – da hat Merz Recht.

Dass er aber Merkels Nachfolgerin im CDU-Spitzenamt, Annegret Kramp-Karrenbauer, die hier wie im Verteidigungsressort wie eine unsichere Debütantin wirkt, ausdrücklich schont, stützt die These: Hier will ein Mann späte Revanche an Merkel nehmen.

Der smarte Merz, der in der Jungen Union und beim CDU/CSU-Wirtschaftsflügel fast wie ein Popstar verehrt wird, kann bei seinem Vorstoß auf Rückhalt zählen. Aber wofür? Die Kanzlerkandidatur? Wenn ja, sollte er jetzt die Karten offen legen – oder seine Sticheleien lassen.


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