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30.10.2019, 03:33 Uhr KOMMENTAR ZU HASSREDE

Hatespeech in sozialen Netzwerken: Anzeigen statt wegschauen

Ein Kommentar von Dirk Fisser


Soziale Netzwerke sind Teil des Alltags geworden. Morddrohungen und Volksverhetzungen sind keine Seltenheit. Foto: dpa/Silas SteinSoziale Netzwerke sind Teil des Alltags geworden. Morddrohungen und Volksverhetzungen sind keine Seltenheit. Foto: dpa/Silas Stein

Osnabrück. Morddrohungen und Volksverhetzung gehören in sozialen Netzwerken leider dazu. Was aber tun dagegen? Auf keinen Fall wegschauen. Ein Kommentar zum Thema Hatespeech.

Viele wenden sich angewidert ab von dem, was Tag für Tag in sozialen Netzwerken vor sich geht. Hass und Hetze sind allgegenwärtig und immer nur einen Klick entfernt. So schwer es fällt: Wir müssen hinschauen. Denn das, was dort vor sich geht, ist nicht Ausdruck einer hässlichen Parallelgesellschaft, sondern ein Stück Deutschland.

In Zeiten von Facebook und Co ist es eben nicht mehr der einzelne Stammtisch, an dem radikales, menschenverachtendes Gedankengut widerspruchslos ausgetauscht wird. Soziale Netzwerke wirken wie ein Katalysator für den Hass. Hier verschwimmen Rand und Mitte der Gesellschaft, vermeintliche Einzelmeinungen erfahren Zuspruch, die Autoren fühlen sich bestärkt durch die digitale Gemeinschaft. Was gestern noch unsagbar schien, ist heute schon nicht mehr radikal genug, um gehört zu werden oder aufzufallen. 

So funktioniert Radikalisierung im digitalen Zeitalter. Und zahlreiche Verbrechen in den vergangenen Jahren zeigen, dass aus menschenverachtenden Worten mörderische Taten werden können.

 Insofern ist jede Bemühung, Autoren von Hassbotschaften zur Verantwortung zu ziehen, zu begrüßen. Die jetzige rechtliche Regelung, zunächst einmal milliardenschweren Internetkonzernen die Entscheidung darüber zu überlassen, was durch Meinungsfreiheit gedeckt ist und was nicht, greift aber zu kurz. 

Ein Rechtsstaat ist dann stark, wenn er Recht auch durchsetzt. Weil er das in diesem Fall in der Vergangenheit kaum getan hat, ist der Eindruck eines rechtsfreien Raumes entstanden – fatal! Bei der Lösung des Problems sind aber auch wir alle gefragt: Offensichtliche Hassbotschaften wie Morddrohungen müssen angezeigt werden. Das ist kein Denunziantentum, sondern Zivilcourage.


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