Kampf gegen Fettleibigkeit bei Jugendlichen Kinderarzt-Präsident fordert Werbeverbot für Milchschnitte und Co.

Sieht lustig aus, ist aber gefährlich. Die Kinder- und Jugendärzte fordern ein Werbeverbot für Zuckerbomben.
Foto: Daniel Karmann / dpaSieht lustig aus, ist aber gefährlich. Die Kinder- und Jugendärzte fordern ein Werbeverbot für Zuckerbomben. Foto: Daniel Karmann / dpa

Berlin. Immer mehr Kinder sind fettleibig oder gar zuckerkrank. Im Einsatz für eine gesunde Ernährung habe die Politik bislang aber völlig versagt, müsse dringend handeln, fordert Deutschlands oberster Kinder- und Jugendarzt Thomas Fischbach im Interview mit unserer Redaktion. Die Eltern ermahnt er, nicht vor quengelnden Kinder zu kapitulieren.

"Wir brauchen ein Werbeverbot für sogenannte Kinderlebensmittel, die es ja tatsächlich gar nicht gibt", sagte Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Nach dem ersten Lebensjahr könnten Kinder eigentlich alles essen, von besonders scharfen Gerichten mal abgesehen. 

"Trotzdem erwecken Lebensmittelkonzerne mit Dinosaurier-Bildern oder strahlenden Jungen und Mädchen auf der Verpackung den Eindruck, es gäbe Lebensmittel für Kinder, als wären Milchschnitte oder Kinderschokolade gesund, ein sinnvoller Bestandteil des Nahrungsmittelkataloges. Das ist verantwortungslos und muss gestoppt werden!", sagte Fischbach.

(Hier geht es zum kompletten Interview: "Medialen Dauerbeschuss macht das beste Hirn nicht mit")

Die Folgen der grassierenden Fettsucht schon der Kleinen habe "dramatische" Folgen, vom Leid der Betroffenen bis zu den Kosten für das Gesundheitssystem, so der BVKJ-Präsident. Die von Ernährungsministerin Julia Klöckner angekündigte Einführung einer verständlichen Nährwertkennzeichnung, dem Nutri-Score, sei zwar "ein kleiner Schritt" zu mehr Prävention. "Aber das reicht bei weitem nicht, Adipositas einzudämmen."

Zuckerbomben seien alles andere als kindgerecht, sagte Fischbach. Ein Eingreifen sei umso wichtiger, als dass Geschmacksvorlieben im frühkindlichen Alter geprägt würden. Auch die Strategie der Bundesregierung für zucker- und fettreduzierte Rezepte in Fertigprodukten sei "viel zu schwach", schimpft Fischbach: "Die Folge der politischen Verzagtheit sind immer mehr übergewichtige und kranke junge und ältere Menschen."

Für Eltern, die gegenüber ihren Kindern nicht "nein" sagen könnten, hat der Kinder- und Jugendärztepräsident kein Verständnis. "Die Quengel-Kassen an den Supermärkten gibt es seit Jahrzehnten." Trotzdem habe es früher viel seltener Süßigkeiten gegeben. "Heute kapitulieren die Eltern. Das ist ein gefährlicher Teufelskreis, denn wenn Quengeln belohnt wird, wird es immer lauter."


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