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28.10.2019, 19:55 Uhr WECHSEL AN EZB-SPITZE

Super Mario und "Graf Draghila"

Ein Kommentar von Uwe Westdörp


Hoch gelobt und scharf kritisiert: der scheidende EZB-Chef Mario Draghi. Foto: dpa/Boris RoesslerHoch gelobt und scharf kritisiert: der scheidende EZB-Chef Mario Draghi. Foto: dpa/Boris Roessler

Osnabrück. Mit Mario Draghi durch die Krise: Das hat gut funktioniert, weil der EZB-Chef drastische Schritte durchsetzte und eine wahre Geldflut auslöste. Doch eigentlich hätte damit zwischenzeitlich Schluss sein müssen, weshalb Draghis Bilanz keineswegs so glänzend ist, wie seine Laudatoren glauben machen wollen. Ein Kommentar.

Super Mario, der große Retter, oder „Graf Draghila“, der EZB-Chef, der die Sparer aussaugt? An Mario Draghi scheiden sich bis zuletzt die Geister. Und das wird auch nach dem Wechsel an der Spitze der Europäischen Zentralbank am Freitag so bleiben.

Zweifellos hat der Italiener sich große Verdienste erworben, als er in der Finanz- und Wirtschaftskrise kurz entschlossen verkündete, die Zentralbank werde alles tun, um den Euro zu retten. Dieses Versprechen und die dann folgende Dauerflut billigen Geldes werden in die Geschichte der Notenbank eingehen. Sie haben der Eurozone in einer Phase größter Unsicherheit eine Basis gegeben. Doch ist heute noch richtig, was in der Krise notwendig war? Braucht es wirklich weiterhin Nullzinsen für Anleger, Strafzinsen für Banken und Anleihenkäufe?

Im Grunde ist es wie bei einem Kranken. Ohne Medikamente geht es meist nicht. Doch wenn das Schlimmste überstanden ist, müssen die Medikamente abgesetzt werden. Ansonsten drohen folgenschwere Nebenwirkungen oder Sucht. Draghi hat diesen Zeitpunkt verpasst.

Die Folgen sind fatal: Sparer werden enteignet, den Staaten wird die Schuldenaufnahme leicht gemacht, weshalb Reformen unterbleiben, Immobilienpreise gehen durch die Decke. Und was ist, wenn die nächste Krise kommt? Dann steht die EZB mit leeren Händen da.

u.westdoerp@noz.de 


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