Abschied vom EZB-Präsident "Whatever it takes" – Der entscheidende Satz in Mario Draghis Amtszeit

Mario Draghi war acht Jahre Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Foto: dpa/Boris RoesslerMario Draghi war acht Jahre Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Foto: dpa/Boris Roessler 

Rom. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sagt, dass Draghis Worte 2012 entscheidend für die Stabilisierung der Märkte gewesen seien.

Der frühere deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Verdienste des scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi für die Stabilisierung des Euro gewürdigt. Draghis Aussage von 2012, den Euro "was immer es kostet" zu verteidigen, sei in jenem Augenblick entscheidend gewesen, um die Märkte zu stabilisieren, sagte der heutige Bundestagspräsident der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Montag) auf die Frage, ob Draghi den Euro gerettet habe. 


Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.Mario Draghi am 26. Juli 2012 in London

Auf einer Investorenkonferenz in London hatte der damalige Krisenmanager an der EZB-Spitze den Euro mit einer Hummel verglichen – einem Insekt, das wegen seines Gewichts eigentlich nicht fliegen können sollte, es aber doch tut. Ebenso sei ein Großteil der Ökonomen davon überzeugt, dass die Eurozone aus Staaten mit unterschiedlichen Volkswirtschaften ohne zusammenhaltende Instanz niemals stabil sei. 

Draghi versicherte daraufhin: "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir, es wird reichen." Nach Ansicht deutscher Ökonomen – und Schäuble, der damals Finanzminister war – hat diese Zusage auf dem Höhepunkt der europäischen Finanz- und Schuldenkrise die Märkte nachweisbar beruhigt.

Schäuble kritisiert Draghis Geldpolitik

Zugleich verneinte Schäuble, dass er und Draghi Gegner gewesen seien. Beide hätten sie unterschiedliche Aufgaben gehabt, und sie seien nicht immer einer Meinung gewesen, sagte Schäuble. Ihr persönliches Verhältnis sei aber gut gewesen, und er habe ihn und die Unabhängigkeit der Zentralbank stets respektiert. 

Seine Hauptkritik sei gewesen, dass Draghis Geldpolitik es den Staaten erleichtert habe, Reformen zu vermeiden. Denn die Politik neige immer dazu, unpopuläre Entscheidungen erst zu treffen, wenn es keine andere Alternative mehr gebe. Diese Verhaltensweise habe er als ein viel größeres Problem eingeschätzt als Draghi, sagte Schäuble.


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