Weitere Extremisten im Versteck Trump: Al-Bagdadi starb "winselnd" – Später auch IS-Sprecher getötet

US-Präsident Trump gab zum Tod von IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi ein Pressestatement ab. Foto: imago images/MediaPunch/Chris KleponisUS-Präsident Trump gab zum Tod von IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi ein Pressestatement ab. Foto: imago images/MediaPunch/Chris Kleponis 

Damaskus/Washington. US-Präsident Trump hat den Tod von IS-Chef Al-Bagdadi verkündet. Das Ende des Kampfes gegen die Terrormiliz bedeutet das nicht. Im Nachgang wurde auch der IS-Sprecher getötet – der zu Anschlägen im Westen aufgerufen hatte.

Bei einem weiteren Militäreinsatz im Norden Syriens ist nach kurdischen Angaben auch der Sprecher der Dschihadistenmiliz IS getötet worden. Ein ranghohes Mitglied der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sagte, der IS-Extremist sei am Sonntag in der Ortschaft Ain al-Baida im Norden der Provinz Aleppo getötet worden. Auch die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete den Tod von Al-Muhadschir. Nach ihren Angaben war er einer von fünf bei einem US-Militäreinsatz getöteten IS-Mitgliedern.

Wenige Stunden zuvor hatte US-Präsident Donald Trump bekannt gegeben, dass der Anführer des Islamischen Staates (IS), Abu Bakr Al-Bagdadi, bei einem Einsatz des US-Militärs im Nordwesten Syriens getötet wurde. Nach ihm hatten die US-Geheimdienste und -Streitkräfte jahrelang gefahndet, er galt als der meistgesuchte Mann der Welt.

Menschen stehen auf Trümmern eines Hauses in der Nähe des Dorfes Barisha in der Provinz Idlib nach der Militäroperation. Al-Bagdadi sei während des US-Angriffs mit drei seiner Kinder in einen Tunnel geflohen und habe eine Selbstmordweste zur Explosion gebracht. Foto: dpa/Ghaith Alsayed/AP

An dem Einsatz zur Tötung seines Sprechers Abu Hassan Al-Muhadschir waren nach Angaben des SDF-Vertreters der Geheimdienst der Miliz sowie die US-Armee beteiligt. Al-Muhadschir sei die rechte Hand von al-Bagdadi gewesen, sagte der SDF-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Die SDF sind ein von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) dominiertes Militärbündnis. Gegen die YPG richtete sich die jüngste Militäroffensive der Türkei im Norden Syriens. 

IS-Führung "faktisch ausgeschaltet"

SDF-Sprecher Mustafa Bali teilte mit, die beiden US-geführten Operationen gegen Al-Bagdadi und Al-Muhadschir hätten die oberste Führungsebene des IS in Nordwest-Syrien "faktisch ausgeschaltet". Weitere IS-Anführer versteckten sich aber noch in der Gegend. Über die Identität Al-Muhadschirs ist wenig bekannt. In Fotos und Videos des IS soll er bisher nicht aufgetaucht sein, er gilt aber als einer von dessen wichtigsten Figuren. Al-Muhadschir hatte Anhänger und Sympathisanten im Westen in mehreren Audiobotschaften dazu aufgerufen, Anschläge zu verüben.

US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag den Tod von Al-Bagdadi verkündet. Al-Bagdadi sei bei einer Operation von US-Spezialkräften in Nordwest-Syrien vor den Soldaten in einen Tunnel geflüchtet und habe eine Sprengstoffweste gezündet, sagte Trump im Weißen Haus. Er habe dabei auch drei Kinder mit in den Tod gerissen. Bei der Operation in der Nacht zu Sonntag seien auch zahlreiche IS-Kämpfer getötet worden. US-Soldaten hätten keine Verluste erlitten.


Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg lobte den Einsatz. Dieser sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Nato bleibe dem Kampf gegen den gemeinsamen Feind verpflichtet.

Trump sagte, Al-Bagdadi sei in einen Tunnel geflüchtet, der keinen Ausgang gehabt habe. Er sei "winselnd und weinend und schreiend" gestorben. Experten hätten vor Ort mit DNA-Analysen die Identität Al-Bagdadis bestätigt. US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte dem Sender CNN, die US-Soldaten hätten Al-Bagdadi aufgefordert, sich zu ergeben. Der IS-Chef habe das verweigert.

USA halten an Truppenabzug fest

Die Kommandoaktion erfolgte nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Ort Barischa in der Provinz Idlib, dem letzten großen Rebellengebiet in Syrien. Der Ort liegt wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die US-Streitkräfte haben in der Region keine Präsenz.

Trump betonte, er halte an seinem Ziel fest, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. "Wir wollen nicht für die nächsten 200 Jahre Soldaten zwischen Syrien und der Türkei behalten." Zunächst würden die US-Truppen aber die Ölfelder im Osten Syriens sichern.

Seltener außenpolitischer Erfolg für Trump

Das Weiße Haus veröffentlichte dieses Foto der Kommandeure. Foto: White House via CNP Washington/imago images/ZUMA Press/Shealah Craighead

Mit dem Tod Al-Bagdadis ist Trump ein seltener außenpolitischer Erfolg gelungen. Trump steht seit Wochen in der Kritik, weil er die US-Truppen aus dem nordsyrischen Grenzgebiet zur Türkei abgezogen hat. Damit ebnete er den Weg für eine türkische Offensive gegen die YPG in der Region. Trump wurde auch aus seiner eigenen Republikanischen Partei vorgeworfen, die mit den USA verbündete Kurdenmiliz im Stich gelassen zu haben.

Einer der meistgesuchten Menschen getötet

Al-Furkan, ein Medienkanal der IS, verbreitete im April dieses Bild vom Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Bagdadi. Foto: dpa/Al-Furkan

IS-Anführer Al-Bagdadi hatte im Juli 2014 ein "Kalifat" in Syrien und im Irak ausgerufen, in dem zeitweise mehrere Millionen Menschen lebten. Eine internationale Koalition unter Führung der USA zusammen mit nationalen Soldaten im Irak und kurdischen Milizen in Syrien eroberten dann in erbitterten Kämpfen nach und nach die IS-Gebiete zurück. 

Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Euro) war Al-Bagdadi einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Zuletzt hatte der IS im April ein Video verbreitet, in dem Al-Bagdadi dem Westen mit Angriffen drohte.

Im Ausland, darunter auch in europäischen Städten, verüben IS-Anhänger immer wieder Anschläge. Westliche Politiker erklärten am Sonntag, mit dem Tod Al-Bagdadis sei der Kampf gegen den IS nicht beendet.


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