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27.10.2019, 19:46 Uhr KOMMENTAR ZUR LANDTAGSWAHL

Thüringen: Die Mitte wird schmaler, die Ränder breiter

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet mit dem Linken-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (rechts) könnte der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring Thüringen zu einer stabilen und bürgerlichen Regierung verhelfen. Foto: Jakob Schröter/imago imagesWer hätte das gedacht: Ausgerechnet mit dem Linken-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (rechts) könnte der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring Thüringen zu einer stabilen und bürgerlichen Regierung verhelfen. Foto: Jakob Schröter/imago images

Osnabrück. Die Thüringer Wähler haben den Parteien einen schwierigen Auftrag erteilt. Vor allem der CDU: Die könnte viel zur Bildung einer stabilen Regierung beitragen – wenn sie sich der Zusammenarbeit mit dem bürgerlichen Linken Ramelow nicht verschließt. Kann funktionieren, siehe Baden-Württemberg – ein Kommentar.

Die letzte Landtagswahl dieses Jahres wird auf Bundesebene genau betrachtet. Verlierer sind die Parteien der Großen Koalition: Die CDU, für die Thüringen einst eine Bank war, wird weiter gerupft und fällt hinter die AfD zurück. Die SPD, vor allem beschäftigt mit sich selbst, ist keine Volkspartei mehr. Und die Grünen und die FDP dümpeln vor sich hin.

Doch auch die Gewinner sollten sich nicht allzu sehr freuen: Die Linke verdankt ihr gutes Ergebnis allein Landesvater Bodo Ramelow, der sich ganz bewusst von seiner Partei distanziert hat – schönen Gruß vom grünen Kollegen Kretschmann aus Stuttgart. Und die AfD? Entfernt sich mit dem dritten Erfolg ihres rechtsextremen Flügels bei Landtagswahlen immer mehr von der bürgerlichen Mitte, die sie angeblich zu erobern versucht. Die hilflosen Versuche des halbwegs gemäßigten Vorsitzenden Jörg Meuthen, die Erfolge von Höcke, Kalbitz und Co. zu relativieren, zeugen deutlich vom weiteren Rechtsruck der Rechten, die zum Sturm auf den Bundesvorsitz blasen.

Fazit: Die Mitte wird dünner, die Ränder werden breiter. Der Wähler sorgt mit gestiegener Wahlbeteiligung zwar für einen Lichtblick, mit seinem Votum in Thüringen aber für eine schier unlösbare Aufgabe. Nun muss ganz neu gedacht werden: Von der CDU etwa, die mit dem bürgerlichen Linken Ramelow eine ungewöhnliche Mehrheit hätte – noch ein Gruß vom Kollegen Kretschmann.


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