Wer führt die SPD? Team Scholz gegen Team "Nowabo"- Genossen vor Richtungswahl

Olaf Scholz, Klara Geywitz, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken am Samstagabend im Willy-Brandt-Haus.
Foto: Emmanuele Contini / Imago ImagesOlaf Scholz, Klara Geywitz, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken am Samstagabend im Willy-Brandt-Haus. Foto: Emmanuele Contini / Imago Images
Emmanuele Contini via www.imago-images.de

Berlin. 22,7 Prozent für Olaf Scholz und Klara Geywitz, 21 Prozent für Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken: Nach dem Ergebnis der ersten Runde stehen diese Duos in der Stichwahl um die SPD-Spitze. In zweieinhalb Wochen dürfen die Mitglieder wieder abstimmen. Es geht nicht nur um Köpfe. Es geht um den Kurs der Partei und die Zukunft der Große Koalition. Eine Analyse.

Welche Signale stecken im Ergebnis von Runde Eins? Scholz war im Willy-Brandt-Haus eine enorme Erleichterung anzusehen, als am Samstagabend die Stimmen ausgezählt waren: Der Finanzminister und Vizekanzler wurde von den Genossen nicht in die Wüste geschickt, sondern geht als Bestplatzierter in die Endrunde.

Die Basis hat auch der Groko nicht die Rote Karte gezeigt. Der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und die Abgeordnete Nina Scheer, die mit dem Ausstieg aus der Regierung für sich geworben hatten, bekamen nicht mal 15 Prozent.

Allerdings gingen die meisten Stimmen an Kandidaten, die die SPD nach links steuern wollen. Dazu gehörten Ralf Stegner und Gesine Schwan (9,6 Prozent) sowie Michael Roth und Kristina Kampmann (16,28 Prozent). Norbert Walter-Borjans, in Berlin "Nowabo" genannt, könnte davon in der Stichwahl profitieren.

Groko oder No Groko? Scholz und die Brandenburger SPD-Strategin Geywitz wollen die Regierung unbedingt fortsetzen. Auf den Regionalkonferenzen warb der Finanzminister immer wieder für die sozialdemokratischen Erfolge in der Koalition. Er will mit dem Bonus als verlässlicher Vizekanzler und solider Finanzminister bei der nächsten Wahl CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer herausfordern. Und dafür muss es jetzt weitergehen.

Ex-NRW-Finanzminister Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Esken sind Groko-"Skeptiker". Beide wollen jetzt mit der Union über mehrere Punkte verhandeln und von den Ergebnissen abhängig machen, ob die SPD unter ihrer Führung weiterregieren sollte. Im ZDF-"Heute-Journal" sprach sich Esken für eine Koalition mit Grünen und Linken aus: "Ich kann mir in so einem Bündnis tatsächlich vorstellen, dass wir die Aufgaben besser lösen können." Umfragen sehen derzeit aber keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün im Bund.

Womit kann das Team "Nowabo" punkten? Walter-Borjans ist kein ausgewiesener Partei-Linker. Seitdem er als Finanzminister CDs mit Daten von Steuersündern erwarb, gilt er aber als Robin Hood im Kampf gegen Steuervermeidung. Der 67-Jährige strahlt mehr Wärme aus als Scholz. Er hat überdies nicht nur den mächtigen NRW-Landesverband hinter sich, sondern auch Juso-Chef Kevin Kühnert und dessen Truppe. Teampartnerin Saskia Esken (58) aus Stuttgart ist Digitalexpertin und Mitglied der Parlamentarischen Linken der SPD im Bundestag.

Was spricht für Scholz und Geywitz? Scholz gehört zu den bekanntesten und - als Finanzminister - auch zu den populärsten deutschen Politikern. Die Basis weiß, dass der 61-Jährige mit Kanzlerin Angela Merkel, CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer oder CSU-Chef Markus Söder auf Augenhöhe verhandeln kann. Mit Klara Geywitz (43) hat er eine gewiefte Strategin als Co-Kandidatin.

Wie geht es konkret weiter? Bis zum 19. November haben die beiden Teams Zeit, bei den SPD-Mitgliedern für sich zu werben. Auf den Regionalkonferenzen mit allen Kandidaten war keine Zeit für tiefere Programm-Diskussionen. In den kommenden zweieinhalb Wochen müssen die zwei Tandems jetzt ihre konkreten Pläne für die Zukunft der SPD vorstellen.

Bis zum 29. November kann dann abgestimmt werden. Das Ergebnis wird wenige Tage vor dem SPD-Bundesparteitag verkündet, der am 6. Dezember beginnt. Die Delegierten müssen die neue Doppelspitze bestätigen. Auf dem Parteitag soll auch über die Zukunft der Großen Koalition abgestimmt werden.


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