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27.10.2019, 15:54 Uhr KOMMENTAR

Die Tötung von IS-Anführer al-Bagdadi ist keine Entwarnung

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Personifizierte Unmenschlichkeit: Der Screenshot eines undatierten Videos zeigt den Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Bagdadi. Foto: ---/Al-Furkan/dpaPersonifizierte Unmenschlichkeit: Der Screenshot eines undatierten Videos zeigt den Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Bagdadi. Foto: ---/Al-Furkan/dpa
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Osnabrück. Darf man den Tod eines Menschen mit Genugtuung feiern? Im Fall von Abu Bakr al-Bagdadi, der nun bei einem Angriff von US-Spezialkräften starb, wird das für viele Menschen eine rhetorische Frage sein.

Denn als Kopf der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat war al-Bagdadi verantwortlich für unzählige Anschläge und bestialische Morde an Andersgläubigen wie auch an Muslimen. Sein Kalifat hat eine Region in Barbarei und Elend gestürzt. Wer Anderen den Krieg erklärt – und nicht nur dem Westen – kann schwerlich auf Nachsicht hoffen. Nun also ist der weltweit meist gesuchte Terrorist tot.

Dass US-Präsident Donald Trump daraus Kapital zu schlagen versucht, ist nachvollziehbar. Der Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien, den er jüngst befohlen hatte, löste in Washington einen überparteilichen Sturm der Kritik aus. 

Trump, dem ein Amtsenthebungsverfahren droht, braucht dringend politische Erfolge. Als solcher lässt sich der Tod eines terroristischen Masterminds gut verkaufen.

Indes ist klar, dass mit al-Bagdadis Tod Terror nicht der Vergangenheit angehört. Auch nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch die USA fanden sich andere, die in seine Fußstapfen traten, unter anderem al-Bagdadi. Wer Terror nachhaltig eindämmen will, muss Extremismus den Nährboden entziehen. Davon sind die Regime im Nahen und Mittleren Osten weit entfernt.


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