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US-Angriff in Syrien Trump bestätigt Tod von IS-Anführer al-Bagdadi – Russland zweifelt

Von afp

IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi soll bei einem US-Angriff getötet worden sein. Foto: dpa/Al-FurkanqIS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi soll bei einem US-Angriff getötet worden sein. Foto: dpa/Al-Furkanq

Idib/Washington. US-Präsident Donald Trump hat den Tod des IS-Chefs Abu Bakr al-Bagdadi bestätigt. Russland zweifelt daran.

Der Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump in Syrien getötet worden. Al-Bagdadi sei bei einer Operation von US-Spezialkräften in Nordwest-Syrien getötet worden, sagte Trump am Sonntagmorgen (Ortszeit) in einer Ansprache im Weißen Haus. Trump sagte: "Er ist wie ein Hund gestorben. Er ist wie ein Feigling gestorben." 

Al-Bagdadi sei in einen Tunnel geflüchtet, der keinen Ausgang gehabt habe. Er sei "winselnd und weinend und schreiend" gestorben. Seine letzten Moment habe er "in äußerster Angst, Panik und Furcht" verbracht, sagte Trump. Als Al-Bagdadi seine Sprengstoffweste gezündet habe, sei der Tunnel eingestürzt. Er habe dabei auch drei Kinder mit in den Tod gerissen. Experten hätten vor Ort mit DNA-Analysen die Identität Al-Bagdadis bestätigt. US-Soldaten seien nicht zu Schaden gekommen. 

US-Präsident Donald Trump. Foto: imago images/UPI Photo

Trump dankt Russland

Trump bedankte sich bei Russland, der Türkei, Syrien, dem Irak und den syrischen Kurden für deren Unterstützung. Die US-Spezialkräfte seien mit acht Hubschraubern zum Einsatzort geflogen. Dabei seien auch von Russland und der Türkei kontrollierte Gegenden überflogen worden. "Wir haben mit den Russen gesprochen. Wir haben ihnen gesagt, dass wir reingehen."

Russland will Beweise

Das russische Verteidigungsministerium hat dagegen Beweise für die Operation gefordert. Es gebe von den mutmaßlich beteiligten Seiten in Details widersprüchliche Angaben, die Zweifel aufkommen ließen, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow am Sonntag in Moskau nach einer Mitteilung des Ministeriums. Es gebe keine überzeugenden Informationen, dass die USA in der von ihnen nicht kontrollierten Zone in Syrien solch eine Operation durchgezogen hätten. 

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass der Tod eines IS-Anführers auch keine Bedeutung habe, da die IS-Terrormiliz in Syrien seit Anfang 2018 ohnehin zerschlagen sei. Auf die Situation in Syrien habe die Mitteilung der USA keinen Einfluss. Die Gefahr sei durch die vielen Terroristen in der Region nicht gebannt.

US-Präsident warnt andere Terroristen

Trump sagte, der Tod Al-Bagdadis sei auch ein Signal an andere Terroristen, die "niemals ruhig schlafen" sollten. Sie würden ihrem Schicksal nicht entkommen. „Wir werden damit fortfahren, die verbliebenen IS-Terroristen bis zu ihrem brutalen Ende zu verfolgen." Al-Bagdadi und „die Verlierer, die für ihn gearbeitet haben", hätten keine Ahnung, auf was sie sich eingelassen hätten. "Er war ein kranker und verdorbener Mann. Und jetzt ist er weg."

Die Kommandoaktion erfolgte nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Ort Barischa in der Provinz Idlib, dem letzten großen Rebellengebiet in Syrien. Der Ort liegt wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die US-Streitkräfte haben in der Region keine Präsenz.

Der Kommandeur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi, schrieb auf Twitter, Bagdadis Tod sei das Ergebnis einer über fünf Monate andauernden Geheimdienstzusammenarbeit gewesen. Der IS-Chef sei dann bei einer gemeinsamen Operation getötet worden.

Trump steht seit Wochen in der Kritik, weil er die US-Truppen aus dem nordsyrischen Grenzgebiet zur Türkei abgezogen hat. Damit ebnete er den Weg für eine türkische Offensive gegen die YPG in der Region. Trump wurde auch aus seiner eigenen republikanischen Partei vorgeworfen, die verbündete Kurdenmiliz im Stich gelassen zu haben.

Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt

Der Aufenthaltsort des bereits mehrfach für tot erklärten IS-Chefs war unbekannt. Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Euro) ist Al-Bagdadi einer der meistgesuchten Terroristen der Welt gewesen. Zuletzt hatte der IS im April ein Video mit Al-Bagdadi verbreitet, in dem er dem Westen mit Angriffen drohte. Details über die Biografie von Abu Bakr al-Bagdadi, den selbst ernannten "Kalifen Ibrahim", sind mit Vorsicht zu genießen. Häufig lassen sie sich nicht verifizieren. 

Aussehen lange unbekannt

Lange Zeit wusste kaum jemand, wie der Chef der Terrormiliz IS aussieht, da es nur zwei Fotos von ihm gab. Wenige Tage nach Ausrufung des Kalifats Ende Juni 2014 tauchte er dann völlig überraschend in einer Moschee in der nordirakischen Stadt Mossul auf, wo er die Freitagspredigt hielt. Danach aber zeigte er sich lange nicht mehr. Immer wieder gab es Gerüchte, er sei bei Angriffen verletzt oder sogar getötet worden. Erst im April – nach dem endgültigen Zerfall des vom IS ausgerufenen Kalifats – zeigte er sich noch ein zweites Mal in einem Video. Zwischendurch verbreitete der IS vereinzelt Audio-Botschaften seines Anführers.

Al-Bagdadi wurde 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 saß er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak.

Seit 2010 Anführer der Terrororganisation

Im Jahr 2010 übernahm Al-Bagdadi die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch "Islamischer Staat im Irak" hieß. Nach und nach begann die Gruppe, sich nach Syrien auszudehnen. Darüber brach Al-Bagdadi mit Al-Kaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken.

Mit Ausrufung des Kalifats benannte sich die Terrormiliz in Islamischer Staat um. Damit verbunden war der Anspruch, alle Muslime weltweit zu vereinen und zu führen. Nach und nach verlor der IS jedoch sein Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien wieder. Offiziell galt der IS mit dem Fall seines letztes Rückzugsorts im ostsyrischen Baghus als besiegt.

Noch vor wenigen Monaten ging die von den USA geführte Anti-IS-Koalition aber in einem Bericht davon aus, dass sich noch zwischen 14.000 und 18.000 IS-Angehörige im früheren Herrschaftsgebiet der Extremisten zwischen Syrien und dem Irak aufhalten sollen. Mittlerweile sind IS-Ableger in zahlreichen Ländern aktiv.


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