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26.10.2019, 18:59 Uhr KOMMENTAR ZUR SPD

Für Scholz und die Groko wird es eng

Ein Kommentar von Tobias Schmidt


Haben es in die Stichwahl geschafft: Olaf Scholz mit Clara Geywitz gegen Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken.
Foto: Jörg Carstensen/dpaHaben es in die Stichwahl geschafft: Olaf Scholz mit Clara Geywitz gegen Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Berlin. Das Drama um den künftigen SPD-Vorsitz geht weiter. Die favorisierten Teams haben es in die Stichwahl geschafft. Aber dass Vizekanzler Olaf Scholz mit seiner Partnerin Klara Geywitz nur mit 22,7 Prozent und einem hauchdünnen Vorsprung vor Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken Runde zwei erreichte, ist für den einzigen Promi im Kandidaten-Reigen eine herbe Enttäuschung.

Der Mann, der sich schon Kanzler-Aussichten im Duell gegen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ausrechnete, ist hart gelandet.

Mehr als 40 Prozent der Stimmen gingen an Tandems, die für einen klaren Linksruck geworben hatten und die Große Koalition verlassen wollten. Scharen sich deren Anhänger in der Stichwahl hinter Walter-Borjans und Esken, die ebenfalls das linke Profil schärfen wollen, dann sieht es düster aus für Finanzminister Scholz - und düster für die Fortsetzung der Regierung. Spätestens dann könnte das Drama der SPD zum Drama für die Bundesrepublik werden.

Mehr als bescheiden war die Beteiligung. Nach den 23 Regional-Konferenzen, dem wochenlangen Kandidaten-Schaulaufen quer durch die Republik, ließ sich gerade mal jeder zweite Genossen motivieren, mit ein paar Mausklicks für seine Favoriten zu stimmen. Knapp 50 Prozent ließ das Spektakel völlig kalt. Dass die Interims-Parteiführung darin einen Erfolg sieht, zeigt, wie tief die Erwartungen inzwischen geschraubt wurden.

Für Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, der mit Katja Köpping aus Sachsen angetreten war, hat sich das Wagnis nicht gelohnt. 14,61 Prozent, der vorletzte Platz im ganzen Feld: Der daheim durchaus populäre Pistorius kann bundesweit bei den Genossen nicht überzeugen. Womöglich hat sich die Taktirerei mit Blick auf die Groko-Zukunft gerächt. Wer für ein klares Profil wirbt, sich dann aber alle Wege offen halten möchte, wirkt unglaubwürdig.


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